Mohamed Salah

Foto: © imago /Zuma Press
Rainer Zobel gewann als Spieler mit Bayern München dreimal den Landesmeister-Cup, danach trainierte er unter anderem den 1. FC Kaiserslautern und den Club aus Nürnberg. Dann zog es hinaus in die weite Welt mit Trainerstationen in Ägypten, Südafrika, Moldawien, Georgien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran. Im Interview mit Comunioblog spricht der 69-Jährige über die ägyptische Mentalität und erklärt, warum nicht mehr Talente den Sprung schaffen. Außerdem will er von einem internationalen Scheitern der Bayern nichts wissen. 

Anmerkung: Das Interview wurde vor der Verletzung von Mohamed Salah geführt. 

Comunioblog: Sie sind seit Jahresanfang Trainer beim Lüneburger SK. Wie kam es dazu, dass Sie sich noch mal dazu entschlossen haben, einen höherklassigen Verein zu übernehmen?

Rainer Zobel: Ich habe nach meiner Zeit bei Bayern München noch sechs Jahre beim Lüneburger SK gespielt und war später auch noch Trainer hier. Jetzt im Winter musste der bisherige Trainer aufgrund einer schweren Krankheiten aufhören und ich wurde dann gefragt. Das war für mich eine schwierige Situation, weil ich das eigentlich nicht mehr wollte und gleichzeitig Trainer eines Kreisligisten in der Nähe von Braunschweig war. Mit denen stand ich auf Platz 1 und Gott sei dank stehen sie dort immer noch. Es war eine Krambambuli-Situation, ich konnte nur Fehler machen, egal wie ich mich entscheide. Letztlich habe ich mich dann doch für den LSK entschieden, weil ich denen einfach helfen wollte.

Rainer Zobel (r.) bejubelt einen seiner drei Landesmeister-Cup-Siege mit den Bayern Bild: imago

Comunioblog: Sie haben einen Vertrag bis Sommer 2019 unterschrieben. Was sind ihre Ziele mit dem LSK?

Zobel: Als ich die Mannschaft übernommen hatte, war sie stark abstiegsgefährdet. Jetzt haben wir erst einmal den Klassenerhalt geschafft. Und nun müssen wir in Lüneburg erst einmal schauen, welche Spieler bleiben. Wir können die Ziele erst stecken, wenn wir wissen, welche Mannschaft wir zur Verfügung haben.

Comunioblog: Wie groß war die Umstellung, nachdem Sie zuvor den Kreisligisten FC Wenden trainiert hatten? Lüneburg ist kein Profiverein, aber von den Strukturen ist es doch ein himmelweiter Unterschied.

Zobel: Für den Trainerjob sehe ich da keinen großen Unterschied. In der Klasse in der man trainiert, befinden sich die Mannschaften meist auf einem ähnlichen Niveau. Es geht darum, die eigene Mannschaft ein Stück über das durchschnittliche Niveau der Klasse zu bringen. Das habe ich mit Lüneburg geschafft, das habe ich mit Wenden geschafft. Der Unterschied ist, dass der Fußball viel schneller ist.

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Comunioblog: Davor waren Sie über ein Jahrzehnt bei verschiedenen Klubs im Ausland unterwegs. Ägypten, Vereinigte Arabische Emirate, Iran, Georgien, Südafrika, Moldawien…Was war das größte Abenteuer?

Zobel: Ich will es nicht Abenteuer nennen, aber es war schon eine Ungewissheit da, als ich das erste Mal nach Ägypten gegangen bin und damit auch in einem kulturell völlig anderem Land leben musste. Das war schon das Schwierigste. Danach habe ich mich immer recht schnell an die Gegebenheiten gewöhnt. Aber ich musste mich da auch zwangsläufig immer schnell auf unterschiedlichste Kulturen einstellen. Aber Ägypten ist natürlich etwas ganz anderes als Deutschland. Das war schon ein großer Unterschied. Von Ägypten nach Südafrika war der kulturelle Unterschied dann nicht mehr ganz so groß.

Comunioblog: El Ahly ist der wichtigste Verein in Ägypten. Sie wurden drei Mal in Serie Meister. Wie haben Sie diese Wucht erlebt?

Zobel: Das war unglaublich. Fußball ist in Ägypten der Sport Nummer eins und El Ahly ist einer von zwei Vereinen, die Kult sind. Der andere Verein ist Zamalek. Das was nach der ersten Meisterschaft passiert ist, habe ich so noch nie erlebt. Kairo hatte zu der Zeit etwa 20 Millionen Einwohner und während unserer Spiele waren die Straßen leer. Nach dem wir Meister geworden waren, waren die Straßen dann voll und es wurde getanzt und gefeiert. Es war ein unglaubliches Erlebnis.

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Comunioblog: Aktuell dreht sich im ägyptischen Fußball alles um Mohamed Salah. Hätten Sie diesen rasanten Aufstieg für möglich gehalten?

Zobel: Ich habe es schon für möglich gehalten, aber wie es dann dazu gekommen ist, war dann doch wieder überraschend. Ägypten hat sehr viele, unglaublich gute Fußballtalente – nicht nur Mohamed Salah. Meistens scheitert es daran, dass sich die Spieler nicht in den westeuropäischen Ligen akklimatisieren können. Dann fehlt das gewohnte Umfeld oder die Religion lässt sich nicht so ausleben. Es gibt viele Talente, aber er ist natürlich schon ein Ausnahmetalent. Er hat eine stetige Entwicklung genommen, aber er hat auch die Lebensumstände in Westeuropa angenommen. Und das muss man als ägyptischer Spieler einfach machen. Es gab schon viele Spieler, die ein ähnliches Talent hatten, aber daran gescheitert sind. Ich denke da nur an Mohamed Abutreika, der war ein Weltklassespieler, hätte es aber mit der Lebensart nie geschafft.

Comunioblog: Sie sagten, dass es viele ägyptische Talente gibt. Gibt es denn auch eine entsprechende Struktur, die diese Talente fördert?

Zobel: Nein, denn wenn es die geben würde, würden viel mehr Ägypter in Europa spielen. Eigentlich fängt bei den meisten ägyptischen Vereinen die Ausbildung der Talente erst mit 18 Jahren an. Ausnahmen sind El-Ahly, Zamalek und Arab Contractors, bei denen auch Salah ausgebildet wurde. Als ich beispielsweise in Alexandria trainiert habe, gab es gar keine richtigen Jugendmannschaften. Das ist eigentlich schade, denn die Talente sind wirklich da.

Seite 2: Zobel über Ägyptens Chancen in Gruppe A, die Dominanz der Nordafrikaner und Bayerns Aus in der Champions League

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Autor: Marc-Oliver Robbers

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