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Mit der Vorstellungspressekonferenz ist die Rückkehr von Jupp Heynckes zum FC Bayern München endgültig perfekt. Vier Jahre war Heynckes im Ruhestand und doch sind noch etliche Spieler beim FC Bayern unter Vertrag, mit denen der Coach das Triple gewann. Aber sind diese Spieler auch im Vorteil im Kampf um die Stammplätze?

Im Tor hat sich Heynckes schon positioniert. Auch wenn Sven Ulreich zuletzt ein wenig schwächelte, wird er so lange im Kasten der Bayern stehen, bis Manuel Neuer wieder gesund ist. „Sven Ulreich bleibt im Tor, aber ich bin froh, dass ich in Tom Starke einen prima Backup habe“, sagte er dem kicker. Neuer wird frühestens im Januar wieder zur Verfügung stehen. 

Auch in der Systemfrage wird Heynckes nichts oder wenig ändern. Das Triple gewann er in einem 4-2-3-1-System. Sein Vorgänger Carlo Ancelotti favorisierte ein 4-3-3, beugte sich aber schon im Vorjahr dem Wunsch der Spieler, eher auf ein 4-2-3-1 zu setzen. „Ob ein 4-2-3-1 oder ein 4-3-3, das ist Interpretationssache.“ Vielmehr geht es darum, „dass die Mannschaft Sicherheit und Vertrauen gewinnt und so in die Erfolgsspur zurückfindet“.

Boateng ist der neue starke Mann

Das wird auch weiterhin mit Joshua Kimmich und David Alaba auf den defensiven Außenbahnen passieren. Rafinha gibt den Backup für beide Seiten. Viel interessanter ist dabei die Besetzung der Innenverteidigung. Heynckes gilt als großer Förderer von Jerome Boateng, holte ihn 2011 von Manchester City zu den Bayern. Er dürfte daher ein sehr viel höheren Stellenwert haben als unter Ancelotti. 

Neben ihm dürfte Mats Hummels die meisten Spielanteile bekommen. Niklas Süle ist die erste Vertretung, da Javi Martinez ziemlich sicher wieder im defensiven Mittelfeld agieren wird. Auf der Position erlebte der Spanier unter Heynckes seine beste Zeit bei den Bayern. 

Das führt aber zu einem Engpass im defensiven Mittelfeld. Schließlich kämpfen dort noch Sebastian Rudy, Arturo Vidal, Corentin Tolisso und Thiago um Spielanteile. Rudy genoss unter Ancelotti eine hohe Wertschätzung, Tolisso wurde auf Empfehlung des Italieners verpflichtet und Thiago war ein Lieblingsspieler des Trainers. 

Doch die Karten werden nun neu gemischt und ein gutes Blatt könnte dabei Vidal haben. Heynckes arbeitete mit dem Chilenen bereits in Leverkusen zusammen und wollte ihn schon 2011 zu den Bayern holen. Vidal entschied sich aber für Juventus und kam erst vier Jahre später. Für ihn geht es aber darum, schnellstmöglich in Form zu kommen, denn die Konkurrenz ist groß und bislang waren seine Leistungen stark ausbaufähig. 

Müller wieder gesetzt

In der offensiven Dreierreihe wird Heynckes auch auf zwei Vertraute setzen. Links bleibt Arjen Robben gesetzt und zentral wird nun wieder vornehmlich Thomas Müller spielen, der unter Ancelotti in der Hierarchie hinter Thiago und teilweise auch James Rodriguez zurückgefallen war. 

Der muss nun wohl häufiger auf die ungewohnte rechte Seite ausweichen und steht dort in Konkurrenz mit Kingsley Coman, Franck Ribery wird bekanntlich noch einige Wochen ausfallen. Im Sturm geht nichts über Robert Lewandowski.

Bei diesen ganzen Gedanken zum Personal darf aber nicht vergessen werden, dass die Bayern auch unter Heynckes weiter kräfitg rotieren werden. Nur so hält man das fragile Stargebilde bei Laune und kann entsprechend mit den Kräften haushalten. Doch in den wichtigen Spielen wird er auf die Eckpfeiler setzen, die ihm 2013 den Erfolg beschert haben. 

Es wird dann wieder enttäuschte Gesichter geben, andere als zuletzt, aber erst dann wird sich wirklich zeigen, ob Heynckes wirklich noch in der Lage ist, den Kader so zu moderieren, dass die Stimmung nicht die Leistung beeinflusst. 

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Autor: Marc-Oliver Robbers

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