Nach einem holprigen Start ist Benedikt Höwedes spätestens am letzten Spieltag endlich in der laufenden Saison angekommen. Über sein Tor gegen Frankfurt wollte sich der Schalker Kapitän trotzdem nicht freuen.  

In der 68. Spielminute ist es tatsächlich passiert. Innerhalb von nur zwölf Minuten hat Eintracht Frankfurt das Spiel gedreht. Drei Tore musste die Eintracht dazu schießen, zuvor hatte der FC Schalke mit 2:0 geführt.

Die Frankfurter Commerzbank-Arena steht jetzt kopf. Das Stadion ist mit 51.500 Zuschauern natürlich ausverkauft, die Fans der SGE feiern, die meisten Schalker Fans können es nicht fassen. Aber vier Minuten vor Ende der regulären Spielzeit erinnert sich ein Schalker daran, dass genau er es ist, der seiner Mannschaft jetzt noch einen Punkt retten kann.

Im Stile eines Mittelstürmers

Die Rede ist von Kapitän Benedikt Höwedes. In der 86. Minute stürmt der Innenverteidiger mit nach vorne. Sein Teamkollege Jefferson Farfan dribbelt mit Tempo in Richtung des Strafraums, wird von Frankfurts Barnetta aber auf Höhe der Strafraumlinie aufgehalten.

Von Barnetta aus prallt der Ball – aus seiner Sicht unglücklich – irgendwie vor die Füße von Benedikt Höwedes. Mit dem Rücken zum Tor und eigentlich zugestellt von einem Frankfurter Verteidiger, dreht er sich und den Ball in Schussposition und vollendet mit letzter Kraft. Ausgleich, 3:3!


Höwedes: „Kann mich über den Punktgewinn nicht freuen!“

Aber Höwedes dreht nicht jubelnd ab. Er sieht auch nicht besonders glücklich aus. Stattdessen macht er ein Gesicht, als habe ihm gerade jemand die Freundin ausgespannt. „Ich kann mich über den Punktgewinn nicht freuen“, wird er später in einem Interview sagen, „wir haben den Sieg verschenkt!“

Benedikt Höwedes ist spätestens seit diesem Moment wieder auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Der Kapitän des FC Schalke 04 hat seiner Mannschaft den Arsch gerettet, wie es Kapitäne nun mal machen, wenn es nötig ist. Und genau das war und ist eine seiner größten Stärken: Er ist da, wenn es darauf ankommt.

Bei den Fans kommt Höwedes mit seiner Art ohnehin gut an, der 25-Jährige ist für viele Knappen zur Identifikationsfigur geworden. Und das ist keine neue Entwicklung, schon in der Saison 2008/2009 – damals war es gerade mal zwei Jahre her, dass er seinen ersten Profi-Vertrag beim FC Schalke unterschrieben hatte – hielten Fans beim Auswärtsspiel in Hoffenheim ein Banner hoch mit der Aufschrift: „Benny: Wir sind hier wegen Spielern wie Dir – Danke!“

14 gelbe Karten in vier Bundesliga-Saisons

Aber Höwedes ist auf dem Platz nicht „nur“ der Leitwolf, der aushilft, wenn es mal brenzlig wird. Er ist für das Spiel der Schalker unheimlich wichtig. In den letzten Jahren zeichnete ihn vor allem seine große Stabilität aus. Und wenn er dann auch noch trifft – wie zuletzt gegen die Eintracht – dann ist das aus Comunio-Sicht natürlich besonders interessant.

Das jedoch ist bei Höwedes – entsprechend seiner Position in der Innenverteidigung – eher die Ausnahme. In der Bundesliga-Saison 2009/2010 (117 Comunio-Punkte!) gelangen ihm insgesamt drei Tore, in den beiden Jahren darauf jeweils eins und in der Saison 2012/2013 gar keins. Im selben Zeitraum sah Höwedes in der Bundesliga übrigens gerade mal 14 gelbe Karten, dazu je einmal Rot und einmal Gelb-Rot in der Saison 2010/2011. Andere Wettbewerbe sind in dieser Aufzählung nicht mitgerechnet.

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Minus sechs Punkte und eine rote Karte nach neun Spielen

Und dann wäre da noch die rote Karte zu Anfang dieser Saison, die – wenn man so will – symptomatisch war für den Saisonstart von Benedikt Höwedes. Es war am dritten Spieltag, Schalke war zu Gast in Hannover. Schon nach einer knappen Viertelstunde musste Höwedes vom Feld, weil Schiedsrichter Bastian Dankert eine Notbremse des Schalker Kapitäns gesehen hatte. Er wurde für ein Spiel gesperrt und erhielt bei Comunio minus 6 Punkte.

Genau so viele Punkte hatte Höwedes nach neun Bundesliga-Spielen insgesamt erwirtschaftet. Zu Beginn der Saison war er einfach nicht der solide Punktelieferant, den sich viele Comunio-Spieler erhofft hatten. Aber seit dem zehnten Spieltag ist er wieder auf dem Weg der Besserung.

Der Knoten platzte ausgerechnet im Derby

Es folgten seitdem die Spiele gegen Borussia Dortmund, in dem Höwedes trotz der 1:3-Niederlage der Schalker vier Punkte holte, Werder Bremen, Hertha BSC und zuletzt das 3:3 gegen Eintracht Frankfurt (elf Punkte). Vier Spiele, aus denen Benedikt Höwedes insgesamt 29 Punkte heraus holte. Das ist schon eher das, was man von ihm gewohnt ist!

Alle Comunio-Spieler, die während seiner schwachen Phase an ihm festgehalten haben, werden wohl noch viel Freude an Höwedes haben. Und allen, denen sich demnächst die Gelegenheit bietet, ihn zu kaufen: Schlagt ruhig zu! Der Kapitän ist jetzt wieder auf Kurs!

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Autor: Marcus Erberich

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