Claudio Pizarro

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17 Jahre spielte Claudio Pizarro in der Bundesliga für Werder Bremen und Bayern München. Nun könnte seine Karriere in Deutschland vorbei sein. Comunioblog würdigt die Comunio-Legende, den Starstürmer und den Sympathieträger. Mach es gut, Claudio!

Frank Rost, Julio Cesar, Andree Wiedener, Frank Baumann, Dieter Eilts, Dirk Flock, Torsten Frings, Razundara Tjikuzu, Raphael Wicky, Marco Bode und Rade Bogdanovic lautet die Startelf von Werder Bremen als Claudio Pizarro am 28. August 1999 erstmals im Bundesligakader der Grün-Weißen steht.

Nur zwei Tage zuvor wird der damals 20-Jährige im Weserstadion vorgestellt. Für damalige Verhältnisse teure drei Millionen Mark kommt der Stürmer von Allianza Lima nach Deutschland. Werders damaliger Vorstandsvorsitzender Jürgen L. Born entdeckt Pizarro zufällig, als er aus beruflichen Gründen in Südamerika unterwegs ist und beim Training von Allianza zuschaut. 

Die Zufallsentdeckung in Peru

„Wenn im Training 20 Tore fielen, hat Claudio davon zwölf gemacht“, erinnert sich Born unlängst in der Werderstube. Nicht mal einen Monat nach Borns Stippvisite in Peru ist Pizarro in Bremen. „Ich möchte ihn am liebsten schon am Samstag in Berlin einsetzen, damit endlich die Null auf unserem Torkonto verschwindet“, erklärt Thomas Schaaf bei der Vorstellung und macht dann auch seine Ankündigung war.

Nach 58 Minuten kommt der Peruaner zu seinem Bundesligadebüt und für Flock ins Spiel. Pizarro bleibt unauffällig, der kicker erwähnt ihn nicht einmal im Spielbericht. Comuniopunkte? Fehlanzeige! Das Spiel war zu diesem Zeitpunkt allenfalls eine Idee im Kopf seines Erfinders Fabian Loschek. Dieses neumodische Internet findet schließlich erst so gerade seinen Weg in die deutschen Privathaushalte. 

Die besten Comunio-Spieler aller Zeiten

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Platz 20: Timo Hildebrand (VfB Stuttgart, 1899 Hoffenheim, FC Schalke 04, Eintracht Frankfurt), 1058 Punkte

Doch wer denkt, Pizarro würde eine ähnliche Anlaufzeit brauchen wie Mannschaftskollege Ailton, der zu diesem Zeitpunkt Werders Rekordtransfer ist und erst so langsam in Fahrt kommt, nachdem ihn Schaafs Vorgänger Felix Magath schon auf die Tribüne setzte, sieht sich getäuscht. 

Pizarro wird zum Volltreffer

Einen Spieltag später folgt die Torpremiere. Beim 5:0 über Kaiserslautern köpft er Bremen in Führung und legt den zweiten Treffer durch Bode auf. Vier Tage später eröffnet er den Torreigen im UEFA-Cup. Bei Bodö/Glimt gewinnt Werder erneut mit 5:0, Pizarro erzielt auch den Endstand. 15 Tore in 39 Pflichtspielen sind es in der ersten Saison. Im zweiten Jahr legt er 23 Treffer in 37 Spielen nach. Comunio ist inzwischen umgesetzt und der Peruaner holt in der Premierensaison starke 109 Punkte

Spätestens jetzt ist klar, Werder hat einen Volltreffer gelandet. Und was damals wie heute gilt, so etwas weckt Begehrlichkeiten. Die Bayern schlagen zu. Nach wochenlangen Pokerspielen aller Beteiligten. Für 16 Millionen Mark. Und wie so oft, wenn die Fans ihren Publikumsliebling an den Erzrivalen verlieren, fallen unschöne Worte. Pizarro ist fortan der Judas in Bremen. 

Welchen Nutzen der Wechsel für Werder hat, zeigt sich erst drei Jahre später. „Das war das Geld, mit dem wir die Mannschaft aufgebaut haben, mit der wir 2004 Topf und Platte gewonnen haben“, blickt Born zurück. In München soll Pizarro Druck auf die arrivierten Kräfte Giovane Elber, Carsten Janker und Paulo Sergio machen. Das gelingt. 15 Bundesligatore in seiner ersten Saison sind ein sehr guter Wert. 

Auf seinen ersten nationalen Titel muss er aber weiter warten. Die Meisterschaft geht an den BVB, den Pokal sichert sich Schalke 04. Die Bayern müssen sich mit dem Weltpokal trösten. In der Folge etabliert sich Pizarro aber beim Rekordmeister, ohne unumstrittene Stammkraft zu sein. Seine Leistungen sind gut, aber selten überragend. 

Drei Meisterschaften, drei Pokalsiege und 541 Comunio-Punkte später geht es 2007 ablösefrei zum FC Chelsea. Trainer Jose Mourinho buhlt persönlich um die Dienste des Angreifers. „Für mich war das besonders, dass er mich direkt anruft und sagt, dass er mich in seiner Mannschaft haben will. Ich habe sofort meinen Berater angerufen“, blickt Pizarro im Interview mit werder.tv zurück. 

Über Chelsea zurück nach Bremen

Doch nach nur zwei Monaten ist Mourinho weg. Gefeuert. Unter Interimstrainer Avram Grant kommt Pizarro selten zum Zug. Die Konkurrenz ist mit Didier Drogba, Andriy Shevchenko und Nicolas Anelka zu prominent. Nach nur zwei Toren in 21 Premier-League-Spielen eröffnet ihm schließlich der neue Trainer Luiz Felipe Scolari, dass er nicht mehr mit ihm plant. 

Werder greift zu. Erst einmal nur per Leihe. Doch das ist allen Beteiligten egal. Selbst die Fans sind der Frohnatur wohlgesonnen. Zeit heilt alle Wunden und einem Menschen wie Pizarro kann eh niemand länger als fünf Minuten böse sein. Zumal er direkt wieder mit Leistung überzeugt. 

17 Mal trifft er in der Liga und sorgt auch dafür, dass Werder am Ende den Pokal holt und im Finale des UEFA-Cups steht. 139 Punkte erzielt er bei Comunio. Doch erneut bangen die Bremer um den Leistungsträger. Bleibt er? Oder nimmt er eines der vielen lukrativeren Angebote an? Pizarro entscheidet sich für den Verbleib. „Ich wollte unbedingt zu Werder zurück, deshalb ist es sehr schön, dass ich jetzt wieder da bin“, sagt er nach der Unterschrift unter den neuen Dreijahresvertrag. 

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Und auch wenn die Zeiten an der Weser schlechter werden, auf Pizarro ist weiterhin Verlass. 146 Punkte 2010, 91 Punkte 2011, 164 Punkte 2012. Im Oktober 2010 löst er Elber als erfolgreichsten ausländischen Torschützen der Bundesligageschichte ab. In Bremen ist er die Konstanz in Person, doch auch er merkt, dass die glorreichen Champions-League-Zeiten der Grün-Weißen erst einmal vorbei sind. Und so verlässt er Werder nach Ablauf seines Vertrags.

Peps rechte Hand in München

Es geht zurück nach München. Doch dieses Mal nimmt ihn den Wechsel niemand krumm. Zu groß ist inzwischen die Diskrepanz zwischen Pizarros Leistungen und dem Potenzial der Bremer. Da ist es dem inzwischen 33-Jährigen auch egal, dass er bei den Bayern nicht mehr als eine Jokerrolle inne hat. Schließlich ist er Teil, der erfolgreichsten Bayern-Mannschaften aller Zeiten. Unter Jupp Henyckes holen sie Meisterschaft, Pokal und Champions League.  Auch bei Comunio glüht sein Stern längst nicht mehr so hell. Mit 54 Punkten legt er seine bisher schlechteste Saison hin.

Auf Heynckes folgt Pep Guardiola und damit einhergehend ein unglaublicher Hype. Pizarro wird schnell zur rechten Hand des Spaniers, kann er doch bestens zwischen dem deutschen und dem Spanisch sprechenden Lager innerhalb des Teams „vermitteln“. 

Und auch sportlich läuft es wieder besser. Guardiola, der oft rotiert, haucht Pizarros Karriere neues Leben ein. In nur 17 Spielen trifft der Peruaner starke zehn Mal. So lohnt sich der Edeljoker auch wieder bei Comunio (80 Punkte). Doch das hält nicht lange an. In seinem letzten Vertragsjahr kommt er nicht über Kurzeinsätze hinaus und bleibt in 13 Einsätzen torlos. Pizarros Zeit in München ist abgelaufen. Nach einem Champions-League-Titel, drei weiteren Meisterschaften, zwei Pokalsiegen und der Klubweltmeisterschaft. 

„Ich hatte die leise Hoffnung, doch noch ein Jahr dranzuhängen und meine Karriere beim FC Bayern beenden zu können“, sagt er bei seinem Abschied. Sein Wunsch wird ihm verwährt und so entscheidet er sich, weiterzumachen, aber nicht ohne dabei an seine Familie zu denken. „Ich würde ihnen jetzt gerne die größtmögliche Stabilität bieten, weil sie schon ein paar Mal umgezogen sind. Sie haben große Opfer gebracht“, sagt er der „Süddeutschen Zeitung“. 

Werders Lebensversicherung im Abstiegskampf

Diese Stabilität findet er. Wieder in Bremen. Als seine Rückkehr so langsam zur Gewissheit wird, drehen die Werder-Fans durch. Wie ein Messias wird der nun 36-Jährige am Bremer Flughafen von hunderten Anhängern empfangen. 

Und er hält den hohen Erwartungen stand. Werder, mittlerweile ein Dauergast im Abstiegskampf, taumelt auch dieses Mal dem Abgrund entgegen. Doch auf Pizarro ist Verlass. MIt 13 Toren (zwölf davon in der Rückrunde) ist er ein Garant für den Klassenerhalt. Satte 100 Punkte bringt das bei Comunio. Zugleich verdrängt er Bode von der Spitze der ewigen Bremer Torschützenliste. Der Legendenstatus an der Weser ist ihm inzwischen sicher. 

Doch die Saison wird sein (vorerst) letztes Hurra bleiben. Rückenprobleme ausgelöst durch Nervenirritationen zwingen ihn immer häufiger zu Zwangspausen. In der abgelaufenen Saison ist er selten fit, wohl nie bei 100 Prozent. Alexander Nouri, inzwischen zum Trainer befördert, bringt ihn nur noch als Joker, auch weil es im Sturm mit Max Kruse und Fin Bartels ohne den Peruaner läuft. Am Ende stehen ein Tor und 23 Comunio-Punkte. 

Eine Legende verabschiedet sich

Anfang Juli wird dann verkündet, dass Pizarro keinen neuen Vertrag an der Weser erhalten wird. Es ist die Vernunftentscheidung des Vereins, auch wenn viele Fans gehofft hatten, dass es eine Herzensentscheidung wird. Pizarro „hätte gerne noch weiter für Werder gespielt“. Nach 430 Bundesliga-Spielen, 191 Toren und 1449 Comunio-Punkten ist Schluss. Ein Jahr will er noch spielen. Wo das sein wird, steht noch nicht fest. Wohl nicht in der Bundesliga.

Mit dem Peruaner geht einer der größten Spieler in der Werder-Geschichte, ein herausragender Stürmer, der es geschafft hat, sich bei zwei Vereinen einen Platz in den Geschichtsbüchern zu sichern und in die Herzen der Fans zu spielen. Denn Pizarro war nicht nur sportlich über jeden Zweifel erhaben, mit seiner lockeren und fröhlichen Art wurde er überall, wo er auftauchte, direkt zum Sympathieträger. 

Claudio, wir werden dich vermissen! 

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