Ein Bild dieses denkwürdigen CL-Finals: Sergio Ramos trötet Mo Salah.

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Fußball galt lange Zeit als Domäne des harten Mannes. Gefühle? Ha, wir sind hier nicht beim Eiskunstlauf. Fußball ist Männersport, der so lange betrieben wird, bis der offene Bruch anfängt zu eitern. Bis dahin läuft man die Schmerzen eben raus. Die diesjährigen Finals der Europa und Champions League haben diesbezüglich einen Paradigmenwechsel eingeläutet.

Lehren der Woche: Zugegeben, der gemeine Nicht-Fußball-Star kann es sich nicht vorstellen, wie es ist, wenn man in einem Finale der Europa League steht. Noch weniger, wenn man im Finale der Champions League steht. Und schon gar nicht in einem WM-Finale.

Wir von Comunio würden halten nicht einmal den Druck des montäglichen Redaktionskicks gegen die Stadtverwaltung aus und gehen dort Woche für Woche baden. Insofern wollen wir uns gar nicht über die Geschehnisse der letzten Wochen beschweren. Das hier ist lediglich eine wertfreie Feststellung.

Als im EL-Finale OM-Star und französischer Vize-Europameister Dimitri Payet nach gut einer halben Stunde verletzungsbedingt vom Platz musste, war das für den Underdog aus Marseille ein Nackenschlag. Und auch für Payet, der unter Tränen den Platz verließ, aber nicht, weil er solche Schmerzen hatte, sondern weil er raus musste. Vielleicht hatte er auch schon die Vorahnung, dass es etwas Schlimmes sein könnte, denn am Tag danach stand fest, dass er die WM in Russland verpassen würde.

Zehn Tage später spielten sich dann in Kiew ähnliche Szene ab. Dort wurde das CL-Finale zum Clash zwischen Cristiano Ronaldo und Mo Salah hochstilisiert. Das Fußballer nun mal ein großes Ego haben und man als Verteidiger sowieso viel weniger Aufmerksamkeit bekommt, dachte sich Sergio Ramos, dass er bei der ganzen Sache auch einmal eingreift – im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Ende vom Lief war eine kaputte Schulter von Salah und eine weitere tränenreiche Auswechslung, die wenige Minuten später von Dani Carvajal besten kopiert wurde. Der Außenverteidiger der Königlichen hatte sich bei einem Hackentrick am Oberschenkel verletzt und musste ebenfalls vor der Pause raus. Für beide ist die WM in Gefahr.

Im ZDF wunderte sich dann Oliver Kahn, der Titan, der mit Druck ja nie ein Problem hatte, anschließend in der Pause, warum denn alle aktuell immer heulen würden und fragte, warum sie dann nicht in der Kabine machen würden.

Ein unfassbarer Affront der ganzen piensenden Kicker! Wie soll das mit dem Männersport denn nur weitergehen, wenn jetzt jeder bei einer Auswechslung heult? Hat Chrissi Kramer damals 2014 geheult? Natürlich nicht, der hat so getan als wäre ihm das alle egal und ging vom Platz. Ohne Emotionen. Ohne Tränen.

Per Mertesackers Interview vor einigen Wochen über Druck im Profifußball hat Reaktionen nach sich gezogen, die man so eigentlich nicht erwartet hätte. Lothar Matthäus‘ Äußerungen beispielsweise waren ebenso daneben, wie jetzt die Verwunderung von Kahn.

Vielleicht sind die Kahns und Matthäus‘ die letzten wahren Männer. Die, die noch hart waren und höchstens mal in der Kabine mal eine, aber auch wirklich nur eine Träne vergossen, weil Gefühle eben einfach Scheiße sind und nicht auf den Fußballplatz gehören.

Leuten wie Kahn und Matthäus menschelt es aktuell einfach zu sehr im Fußball. Wird also Zeit, dass Roboter und Computer auch hier Einzug halten. Dann hört dieses elende Geflenne endlich auf.

Tweet der Woche: Die Kollegen der „11 Freunde“ haben die Gedanken eines jeden Fußball-Fans in der 26. Minute des CL-Finals einmal in Worte gefasst. Danke dafür.

Gerüchte der Woche: Fußballfreie Zeit bedeutet, Zeit für Gerüchte, Transfers und Wechsel. Das interessanteste in dieser Woche: Götze nach Frankfurt, Fragezeichen. Die Antwort bekommt ihr hier: 

Comunio-Gerüchteküche: Götze nach Frankfurt, ein alter Bekannter für Favre, ein Meister für die TSG?

Heute in der Comunio-Gerüchteküche: Die heißesten Gerüchte von TSG Hoffenheim, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, 1. FC Nürnberg und Fortuna Düsseldorf.

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Top Elf der Champions League: Überraschenderweise ist hier ein Spieler mit der Nummer 7 von Real Madrid vertreten.

Die Comunio-Elf der Champions-League-Saison 2017/18

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Tor: Keylor Navas (Real Madrid) - 54 Punkte | Bildquelle: Imago

Neuzugang der Woche: Wir bei Comunio stellen Euch ja jeden externen Neuzugang in der Bundesliga vor. Diese Woche gab’s einige. Was haltet Ihr denn von Joshua Brenet? Kennt Ihr nicht, dann aber mal schnell hier lang!

Tipp der Woche: Wenn Ihr wissen wollt, was bei den Bundesliga-Vereinen in der Sommerpause und während der WM so abgeht, dann haben wir hier das passende Format für Euch.

Borussia Dortmund vor der Vorbereitung: Schafft Favre den Turnaround?
imago / Team 2

Die vergangene Saison war eine einzige Achterbahnfahrt beim BVB. Nach sieben Spieltagen praktisch schon Meister, konnte die Mannschaft am Ende mit Platz vier sogar noch zufrieden sein. Kann Lucien Favre die Schwarz-Gelben wieder zum Bayern-Jäger machen?

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Marktwert der Woche:

Teuerster Spieler: Robert Lewandowski (FC Bayern München, 17.260.000)

Teuerste Mannschaft: FC Bayern München (179.940.000)

Punktbester Spieler: Robert Lewandowski (FC Bayern München, 235), Naldo (FC Schalke 04, 197), Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach, 177)

Bester Spieler nach Positionen: Jiri Pavlenka (SV Werder Bremen, 126), Naldo (FC Schalke 04, 197), James Rodriguez (FC Bayern München, 172), Robert Lewandowski (FC Bayern München, 235)

Autor: Florian Schimak

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