Ist die „Mini-Weltmeisterschaft“ überhaupt notwendig? Wo kommt sie eigentlich her? Und was hat Saudi-Arabien damit zu tun? Antworten von Comunioblog!  

Das Turnier: Alles begann in Saudi-Arabien. König Fahd ibn Abd al-Aziz hatte Bock auf ein wenig Fußball und rief die kontinentalen Meister zusammen: Der Fahd-Pokal war geboren. 1992 mit vier Mannschaften (Asien, Afrika, Südamerika und CONCACAF), bei der zweiten Ausgabe 1995 kamen der jeweilige Gastgeber und der Europameister mit hinzu. 1997 erfolgte die Übernahme durch die FIFA – der amtierende Weltmeister musste nun ebenfalls antreten. Seit 2005 findet der Confederations Cup im Vierjahresrhythmus statt. Die „Mini-WM“ startet rund 365 Tage vor seinem großen Bruder und dient dem Gastgeber als Generalprobe: Funktioniert die Infrastruktur? Sind die Stadien schon fertig? Ein Testfeld für Mannschaften und Organisatoren.

Deutschland, Deine Confed Cups: Was wurde nicht alles geschrieben über das DFB-Team aus dem Sommer 1999! Trainer? Erich Ribbeck. Spieler? Paolo Rink. Roland Maul. Mustafa Dogan. In der Vorrunde gingen von drei Partien zwei verloren. Who cares? Letztendlich war dieses Turnier von großer Bedeutung: Ohne die Teilnahme wäre eine Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land wohl nicht möglich gewesen. Es galt, wichtige Stimmen zu sammeln – mit Erfolg. Durch die Vergabe bekam die Deutschen dann auch ihren eigenen Confederations Cup. 2005 glänzte der DFB als Organisator, die Nationalmannschaft entfachte eine erste Euphorie und konnte aufgrund der fehlenden WM-Qualifikation unter Wettkampfhärte testen. Am Ende stand Platz drei nach einem wilden 4:3-Sieg über Mexiko und die Erkenntnis, dass der Confed Cup doch ganz nett ist.

Fluch der „Mini-WM“: Auf dem Confederations Cup lastet ein Fluch! Noch nie gewann der Sieger des Turnies die darauf folgende Weltmeisterschaft. Sogar die Giganten aus Spanien landeten 2009 in Südafrika „nur“ auf Rang drei. Brasilien hingegen ist mit drei Siegen Rekordhalter, die beiden letzten Ausgaben gingen an die Selecao. Allerdings hechelt die stolze Fußballnation seit dem Turniersieg 2005 den eigenen Ambitionen hinterher. Muss also doch ein Fluch sein.

Arme Vereine?: Seit Jahren beschweren sich die Oberen der Vereine über den (zu) vollen Terminplan. Liga, Pokal, europäischer Wettbewerb, Supercups und Nationalmannschaft – viele Lücken sucht man in der Tat vergebens. So spielt beispielsweise der aktuelle Weltmeister in Brasilien das vierte Turnier seit 2009. Die Spieler kommen verspätet zu ihren Klubs, die Vorbereitung der Vereine ist erschwert. Macht ein Confederations Cup, der im Gegensatz zu einer Weltmeisterschaft oder eines kontinentalen Turniers eher unwichtig erscheint, also überhaupt Sinn?

Technische Hilfsmittel: Jahrzehntelang wehrte sich die FIFA vehement gegen den Einsatz technischer Hilfsmittel. Der Mensch soll doch bitte über Sieg oder Niederlage entscheiden, nicht die Maschine. Nach dem fälscherlicherweise nicht gegebenen Tor Frank Lampards gegen Deutschland im WM-Achtelfinale 2010 strengte allerdings auch FIFA-Präsident Sepp Blatter sein Hirn an. Beim Confed Cup stellt die deutsche Firma „GoalControl“ aus Würselen eine Torlinientechnologie. Sieben hochauflösende Kameras haben den Strafraum im Blick und geben dem Schiedsrichter nach rund zwei Sekunden die Gewissheit, ob der Ball mit vollem Umfang hinter der Linie war oder nicht. Blatter ist zuversichtlich: „Perfektion gibt es nicht, aber die Technik hat in allen Tests funktioniert. Das hat eine Schweizer Firma festgestellt – und es ist sehr schwierig, eine Schweizer Prüfstelle zu überzeugen.“

Autor: Sebastian Schramm

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