Vier Keeper, einer gewinnt: v.l.n.r.: Huth, Müller, Adler, Zentner

Foto: © imago /Martin Hoffmann
Es war für den FSV Mainz 05 eine turbulente Saison, nicht nur in der Bundesliga. Auch im Kasten ging es drunter und drüber, drei Keeper kamen zum Einsatz, ein olympischer Silbermedaillengewinner wurde verliehen. Wir sortieren schon mal die Lage für die kommende Saison.

René Adler (380.000, 14 Spiele, 32 Punkte)

Nach dem Abgang des in der Vorsaison zu keinem Zeitpunkt unumstrittenen und wie die gesamte Mainzer Hintermannschaft permanent fahrig wirkenden Jonas Lössl (Huddersfield Town), griffen die 05-Verantwortlichen beim vertragslosen und entsprechend ablösefreien Routinier zu: René Adler, Ex-Nationalkeeper mt der Erfahrung aus diversen internationalen Schlachten und überstandenen Abstiegskämpfen, wechselte vom HSV an den Bruchweg und sollte der Mainzer Defensive durch seine Ausstrahlung, klare Kommandos und natürlich nicht zuletzt durch seine Qualität wieder Stabilität zurück geben.

Das gelang in der ersten Hälfte der Hinserie leidlich, in den ersten neun Spielen für den neuen Arbeitgeber sammelte Adler nur 10 Punkte bevor es dann kam, wie es mit Blick auf die Verletzungshistorie des 33-Jährigen kommen musste: Im Pokalspiel gegen Holstein Kiel verletzte sich Adler am Oberschenkel und fiel bis zum 28. Spieltag aus. Danach immerhin lieferte der Routinier für fünf Spiele das, was man sich von ihm erhofft hatte. Das Team von Sandro Schwarz sammelte die mit entscheidenden Punkte zum Klassenerhalt. Der Lohn für Adler: 22 Punkte. Und danach: Schwere Knieverletzung im Training, Operation, Saisonaus nach dem 32. Spieltag. Alles wie immer also.

Prognose: Startet der Routinier topfit und mit ausgeheilter Knieverletzung in die Vorbereitung, dürfte er noch einmal einen kleinen Bonus haben, wenn sich Schwarz und Torwarttrainer Stephan Kuhnert entscheiden müssen, mit wem sie zwischen den Pfosten in die neue Saison gehen. Rückschläge sollte es für Adler aber keine mehr geben.

Jannik Huth (160.000, 0 Spiele, 0 Punkte)

Der bei den Fans beliebte Hut hatte in der Vorsaison im Saisonfinale Jonas Lössl aus dem Tor verdrängt und in den letzten sieben Spielen auch 18 Comunio-Punkte geholt. Der 24-Jährige schien die klare und erste Option auf den Job des Herausforderers für René Adler zu sein. Doch dann kam es anders und Jannik Huth war an einem nasskalten Herbstabend einfach zur falschen Zeit am falschen Ort – nämlich nicht auf der Bank, als Adler sich verletzte und sich ein Stellvertreter festspielen durfte. So rutschte der Silbermedaillengewinner von Rio in der Torwarthierarchie der 05er ohne eigenes Zutun ab und ließ sich in der Winterpause ohne Aussicht auf Einsätze verleihen.

Bei Sparta Rotterdam zeigte Huth dann in der Rückrunde, dass er einen Zweikampf mit den Kollegen nicht scheuen müsste. Beim Abstiegskandidaten zeigte Huth Klasseleistungen und wurde schnell zum Liebling der holländischen Fans. „Für mich war und ist es wichtig, Spielpraxis auf einem hohen Niveau zu bekommen. Zudem bin ich das erste Mal komplett raus aus Mainz und auf mich alleine gestellt, was natürlich Vorteile hat“, erklärte Huth im April. „Ich merke, dass ich mich als Mensch weiterentwickelt habe, und das kommt mir als Torwart zugute.“ Rotterdam besitzt keine Kaufoption, der Torwart wird also in der Sommervorbereitung mindestens zunächst auch wieder in Mainz auf dem Trainingsplatz stehen.

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Der 34. Spieltag ist auch ein Spieltag um Abschied zu nehmen. Drei Bundesliga-Legenden, die euch in den letzten Jahren Punkte satt beschert haben, verabschieden sich in den Ruhestand und der ein oder andere von ihnen dürfte noch einmal ein paar Minuten auf dem Platz bekommen.

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Robin Zentner (160.000, 15 Spiele, 24 Punkte)

Zu Beginn der Sommervorbereitung durfte Robin Zentner, gerade frisch von einer Leihe zu Zweitliga-Aufsteiger Holstein Kiel zurück nach Mainz geholt, wahrlich nicht damit rechnen, am Ende der Saison der 05-Keeper mit den meisten Bundesligaeinsätzen der Saison zu werden. Eigentlich durfte er überhaupt nicht damit rechnen, überhaupt zu Einsätzen zu kommen. Denn in der Torwarthierarchie ging es hinter dem frisch geholten designierten Stammtorhüter Adler nur darum, wer sich auf die Bank setzen darf. Die Konkurrenten Huth (der bereits in der Vorsaison Bundesligaeinsätze sammelte und als U21-Nationaltorwart mit Olympiasilber dekoriert ist) und der hochgehandelte Nachwuchstorwart Florian Müller schienen bessere Karten zu haben.

Doch es kam anders: Beim für René Adler so unglücklich verlaufenen Pokalspiel saß der 24-Jährige auf der Bank, kam rein und überzeugte. So sehr, dass Sandro Schwarz keinen Grund sah, einen neuen Konkurrenzkampf um den Platz im Tor auszurufen. Zentner blieb einfach drin, machte 15 Bundesliga- und ein weiteres Pokalspiel und musste seinen Platz erst wieder räumen, als er sich am 24. Spieltag – kurz bevor René Adler wieder fit wurde – im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg selbst verletzte und eine Woche später vom dritten 05-Torwart der Saison vertreten werden musste.

Prognose: Robin Zentner hat in dieser Saison funktioniert, als er gebraucht wurde. Er hat in einer komplizierten Saison zwar keine Spiele für seine Mannschaft gewonnen, aber eben auch keine ganz gravierenden Patzer produziert. Dennoch: Es wird für das Eigengewächs nur um den Platz auf der Bank gehen. Den Kampf um den Stammplatz werden sich andere liefern.

Florian Müller (380.000, vier Spiele, acht Punkte)

Was für ein Bundesligadebüt: Als Florian Müller, 20-Jähriges 05-Eigengewächs, durch die Verletzungen von Adler und Zentner ins Bundesligator gespült wurde, geht es in Hamburg direkt um alles. Und dann läuft es richtig mies für die Rheinhessen: Platzverweis Balogung und Elfmeter für den HSV – den der Debütant direkt rausfischt vorher und anschließend noch ein paar starke Paraden zeigt und seinem Team so den Punkt gewinnt (und mit acht Comunio-Punkten einen Einstand nach Maß feiert). Eine seriöse Leistung gegen Schalke 04 und ein Patzer gegen Eintracht Frankfurt folgen, danach ist erstmal wieder Schluss für Müller, der sich aber nachhaltig ins Gedächtnis gebracht hat. René Adler ist wieder fit und entscheidet den von den Trainern ausgerufenen Dreikampf für den Endspurt dank seiner Erfahrung vorerst für sich. 

Nach Adlers neuerlicher Verletzung darf der U21-Nationaltorhüter erneut in die Kiste, diesmal in Dortmund. Und wieder überzeugt Müller in einem großen Spiel und hilft mit, den Sieg zum Klassenerhalt zu sichern. Torwarttrainer Stephan Kuhnert bezeichnet Müller als „das größte Talent, dass ich je hatte“. Und das will was heißen, formte Kuhnert doch immerhin schon den Champions League-Finalisten Loris Karius zum Bundesligakeeper.

Prognose: Dass Müller und nicht Zentner in Dortmund ins Rennen geschickt wurde, dürfte schon ein kleiner Fingerzeig gewesen sein, wie sich die Torwarthierarchie aktuell darstellt. Stephan Kuhnert hält große Stücke auf Florian Müller, dem in Mainz die Zukunft gehören dürfte. Wann die Zukunft beginnt, wird sich in der kommenden Sommervorbereitung entscheiden. Unsere Tendenz: René Adler wird noch einmal als Stammkeeper in die Bundesligasaison gehen dürfen, dahinter hat sich Florian Müller einen Vorsprung vor Zentner und Huth erarbeitet, die beide Ausleih- oder Transferkandidaten sind. Wer sich für den Saisonübergang noch einen günstigen, aber zuverlässigen Torwart ins Team holen möchte, kann sich derzeit einen ehemaligen Nationalkeeper für 380.000 schießen.

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Autor: Till Erdenberger

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