Borussia Dortmund jubelt! Die neue BVB-Taktik im 4-1-4-1 funktioniert.

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Borussia Dortmund startete überragend ins Jahr 2023 – zehn Pflichtspiel-Siege in Folge sind ein eingestellter Vereinsrekord. Dabei ist der Erfolg auf eine klare Taktikänderung bei Borussia Dortmund zurückzuführen. Was hat sich beim BVB geändert?

Der BVB spielt jetzt ein 4-1-4-1

Edin Terzic spielte in der Vergangenheit häufig in einem 4-2-3-1 oder einem 4-3-3. zur Winterpause hat sich das verändert, denn der BVB spielt nun ein 4-1-4-1. Es ist nicht vollständig anders, viele Basiseigenschaften sind ähnlich. Borussia Dortmund verteidigt weiterhin hauptsächlich in einer Viererkette. Es gibt einen zentralen Stürmer. Und dazu ergänzen drei Spieler im Zentrum sowie zwei auf den Flügeln.

Kobel – Wolf, Süle, Schlotterbeck, Guerreiro – Can – Brandt, Bellingham, Reus, Adeyemi – Haller

Doch es gibt einige klare Unterschiede. Der größte lässt sich darin finden, dass vor seiner Verletzung mit Karim Adeyemi ein Linksfuß auf der linken Seite spielte. Er blieb im eigenen Ballbesitz sehr weit außen an der Seitenlinie, was dem Spiel eine gewisse Breite verschafft. Dadurch muss Raphael Guerreiro auf der linken Abwehrseite nicht mehr den Flügel komplett alleine beackern, denn bisher spielten links meist Rechtsfüße, die sehr zentrumsorientiert agierten. Nicht so Adeyemi.

Julian Brandt darf vom rechten Flügel zwar in die Mitte ziehen, doch mit seinem starken rechten Fuß geht er häufiger auch mal neben den Strafraum, als es Adeyemi zuvor getan hatte. Der Unterschied liegt aber auch extrem in der Arbeit gegen den Ball: Anstatt mit 3 Stürmern vorne zu pressen, ziehen sich die Flügel häufiger zurück und bieten eine zweite Absicherung auf den Außen. Situativ wird dann entweder einer von außen oder ein Spieler aus der Doppel-Acht nach vorne gezogen, um den Mittelstürmer beim Pressing zu unterstützen.

 

Marco Reus ist kein System-Verlierer

Lange wurde eine derartige Taktik nicht gespielt, da sie keinen Platz für Marco Reus enthält. Er ist nicht mehr schnell genug für den defensiven Flügel, aber eigentlich deutlich offensiver als die Achter-Position. Er ist nicht gut genug in der Arbeit nach hinten, um sich im zentralen Mittelfeld aufzuhalten. Doch in Reus‘ verletzungsbedingter Abwesenheit trainierte der BVB eine Formation ein, die nicht seiner Idealposition entspricht – das muss aber nicht schlecht sein.

Denn auch im neuen System kann der Kapitän der Borussia mitspielen. Er kommt jetzt aber in eine gut geölte, funktionierende Maschine – und muss nicht Teil des Umbaus sein. Während er gegen Freiburg und Bremen noch etwas Schwierigkeiten mit seiner neuen Rolle hatte, explodierte er im Bundesliga-Spiel gegen Hertha BSC: Ein Tor, eine Vorlage und insgesamt starke zwölf Comunio-Punkte können sich absolut sehen lassen.

Im neuen System darf Reus auch als Achter mehr zentralen Aufgaben nach vorne unternehmen. Der Kapitän darf das Pressing lenken und kreativ in den Räumen schwimmen, während sein eigenes Team im Ballbesitz ist. Denn der defensivere der beiden Achter, im Hertha-Spiel Salih Özcan, übernimmt etwas mehr Defensivaufgaben. Er verschiebt situativ neben den Sechser, als würde man das alte 4-2-3-1 spielen. Reus kann also die Vorteile des alten Systems nutzen, gleichzeitig profitiert die Mannschaft aber von der neuen Stabilität und Ausrichtung.

Auswirkungen des BVB-Systems auf Comunio

Die wichtige Frage ist aber auch: Was bedeutet diese Umstellung denn für den Comunio-Manager, der seine Stars von Borussia Dortmund möglichst effektiv einsetzen möchte? Es hat eine Menge positive Effekte, die auch unabhängig von der aktuellen Siegesserie des BVB Bestand haben werden.

Zum einen das Thema Stabilität. Dortmund spielt im neuen System defensiv kompakter. Wenn die Achter herausrücken, steht Emre Can zwischen den beiden Viererketten bereit, um Löcher zu schließen und in klassischer Vorstopper-Manier alles abzuräumen, was die Kette attackiert. Zudem können auch die Innenverteidiger ihre Stärken ausspielen: Nico Schlotterbeck, Mats Hummels und Niklas Süle verteidigen alle sehr stark nach vorne. Durch die doppelte Flügelbesetzung stehen die Außenverteidiger tiefer und können hinter den Innenverteidigern absichern – und nicht umgekehrt. Dadurch gewinnen Schlotterbeck und Co. mehr Zweikämpfe und kassieren weniger Gegentore. Ergo erzielen sie mehr Comunio-Punkte.

Auch Can selbst ist mittlerweile gesetzt und punktet seit der Winterpause überragend. In fünf Bundesliga-Einsätzen erzielte er 18 Comunio-Punkte. Der Schnitt von 3,6 PPS kann sich absolut sehen lassen. Er stabilisiert nicht nur die Abwehr, sondern auch seine eigene Form. 

Ein weiterer Gewinner ist Julian Brandt In seiner neuen Position als Rechtsaußen (aber nicht nur dort) fand er in Reus‘ Abwesenheit seine Spielmacher-Qualitäten wieder und spielte sich in eine Topform. Spannend wird, ob dieser Höhenflug Bestand hat, wenn der Kapitän dauerhaft in die Startelf zurückkehrt. Doch durch seine Positionierung rechts und Reus‘ Positionierung halblinks kommen sie sich seltener in die Quere und funktionieren besser gemeinsam. 

Der einzige Verlierer des Systems an sich ist Donyell Malen. Der Halbraumstürmer war wie gemacht für das vorherige Spiel mit einem inversen Linksaußen. Doch er funktionierte trotzdem nicht. Jetzt wurde seine Rolle aus der Taktik gestrichen. Immerhin: Gegen die Hertha durfte er in der Rotation als Mittelstürmer auflaufen und machte seine Sache ordentlich, erzielte sogar ein Tor. Auch Mahmoud Dahoud leidet unter der neuen Taktik. Er war als Spielmacher zwischen den Ketten herausragend, dort ist allerdings jetzt Cans Defensivqualität gefragt. Für ihn ist kein Platz mehr – sein Vertrag in Dortmund wird laut Sportdirektor Sebastian Kehl nicht verlängert.