Hakim Ziyech

Foto: © imago / VI Images
Regensburg-Stürmer Hamadi Al Ghaddioui wurde einst für die marokkanische Nationalmannschaft nominiert, dann aber wieder gestrichen. Im Interview spricht der Deutsch-Marokkaner über den Zwiespalt, sich für eine Nation entscheiden zu müssen. Dazu hat er einen Geheimtipp für alle Comunio-Spieler und blickt auf die Saison mit dem Jahn zurück. 

Comunioblog: Zu ihrer Dortmunder Zeit wurden Sie sogar ins vorläufige Aufgebot der marokkanischen Nationalmannschaft berufen, letztlich dann aber wieder gestrichen. Wie war das damals, als Sie von der Berufung erfahren haben?

Al Ghaddioui: Ich war ja letztlich nicht wirklich dabei. Daher war es erst natürlich Freude, aber dann auch ein wenig Enttäuschung. Dennoch war es für mich eine Ehre, überhaupt im erweiterten Kreis zu sein, aber das war es dann auch.

Comunioblog: Das ist nun zwei Jahre her. Gab es seitdem Kontakt zum Verband? Es ist schließlich mit Herve Renard noch der gleiche Nationaltrainer im Amt.

Al Ghaddioui: Nein, seitdem gab es keinen Kontakt mehr zum Verband.

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Comunioblog: Sie sind in Deutschland geboren und aufgewachsen. Welche Rolle spielt Marokko in ihrem Leben?

Al Ghaddioui: Doch, Marokko spielt schon noch eine große Rolle für mich. Ich bin dort regelmäßig im Urlaub und fühle mich dem Land auch verbunden. Natürlich ist es schon ein Hin und Her, wenn man in Deutschland geboren, auch hier zur Schule gegangen ist und vieles der Kultur aufgenommen hat, aber Marokko ist ein großer Teil von mir.

Comunioblog: Wie schwierig ist es als jemand, der mit zwei Kulturen aufgewachsen ist, aber in Deutschland lebt, eine Identifikation mit dem Heimatland der Eltern aufzubauen?

Al Ghaddioui: Das ist wirklich ein schwieriges Thema. Das muss auch jeder Spieler für sich entscheiden. Es gibt immer Spieler, die sich vielleicht ein bisschen mehr mit dem Herkunftsland ihrer Eltern identifizieren als andere. Ich denke, dass eine Sache des Gefühls, eine Sache, die von innen kommt. Ich kann jeden verstehen, der sagt, ich fühle mich dem Herkunftsland meiner Eltern so verbunden, dass ich für das Land spielen möchte, aber ich kann genauso jeden Spieler verstehen, der sich nur vorstellen kann, für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen, weil er eben hier geboren und aufgewachsen ist.

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Comunioblog: Mohamed Amsif, der auch marokkanische Wurzeln hat, wechselte nach einigen Stationen in Deutschland in die marokkanische erste Liga. Ist das ein Schritt, den Sie sich auch vorstellen können?

Al Ghaddioui: (lacht) Sag niemals nie, warum nicht. Es gab nie etwas Konkretes, aber die Liga ist auch erst etwa drei Jahre von der FIFA anerkannt. Die machen dort aber große Fortschritte und ich gucke mir da auch immer mal wieder Spiele an oder habe zumindest die Tabelle im Blick.

Comunioblog: Bei der WM bekommt es Marokko mit Spanien, Portugal und dem Iran zu tun. Was ist da möglich?

Al Ghaddioui: (lacht) Das ist eigentlich das Gleiche wie mit Regensburg zu Saisonbeginn. Aber das wird natürlich sehr schwer mit Spanien und Portugal. Marokko wird allerdings oft unterschätzt, viele Spieler spielen in europäischen Topligen. Sie müssen geschlossen auftreten und ihre wenigen Chancen nutzen. Aber es ist auch klar, dass wenn Spanien und Portugal auch nur ansatzweise ihre Qualitäten auf das Spielfeld bringen, dann werden sie weiterkommen und Marokko und der Iran rausfliegen. Ich würde es mir natürlich anders wünschen.

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Comunioblog: Wenn man die Kader von Spanien und Portugal durchgeht, wie sehr kribbelt es dann dabei? Wie sehr wäre man selbst gerne dabei?

Al Ghaddioui: Das ist gar nicht zu beschreiben, wie sehr man dabei sein möchte. Aber man muss ja auch irgendwie realistisch sein. Cristiano Ronaldo, Andres Iniesta, Diego Costa…Wenn man sich anschaut, wer da bei Portugal oder Spanien herumläuft. Das sind Weltklassespieler. Da kribbelt es auf jeden Fall, aber dafür habe ich dann auch einfach zu wenig Tore auf dem Konto. (lacht)

Comunioblog: Welchem Marokkaner trauen Sie eine starke WM zu?

Al Ghaddioui: Hakim Ziyech von Ajax Amsterdam. Das ist ein super Fußballer, ein Linksfuß, von dem ich mir immer wieder Spiele anschaue. Er ist ein Techniker, dem ich sehr viel zutraue, er ist auch noch jung. Ich glaube, er wird auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck bei der WM hinterlassen.

Comunioblog: Bei diesem Turnier ist auffällig, dass sich bis auf Algerien alle starken nordafrikanischen Nationen qualifiziert haben. Die Elfenbeinküste oder auch Kamerun sind dagegen nicht dabei. Ist das Zufall oder glauben Sie, das ist eine Trendwende im afrikanischen Fußball?

Al Ghaddioui: Das ist schwer zu sagen. Ein Ansatz könnte sein, dass viele Nordafrikaner in Europa spielen und hier ausgebildet wurden. Das trifft natürlich auch auf viele andere afrikanische Nationen zu, aber da ist vielleicht so, dass sie noch eher für das Land spielen, das sie ausgebildet hat. Frankreich ist da sicher ein gutes Beispiel. Und viele Nordafrikaner tendieren vielleicht eher dahin, für das Land ihrer Eltern zu spielen.

Seite 1: Al-Ghaddioui über die starken Aufsteiger, die Hoffnungen eines Reservespielers und den Jahn-Fußball

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Autor: Marc-Oliver Robbers

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