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Auch die Bundesliga steckt durch die Corona-Pandemie in der größten Krise ihrer Geschichte. Für viele Vereine ist die Situation existenzbedrohend, die Beendigung der Saison unabdingbar. Doch ist das überhaupt machbar? Und wie reagiert die Bevölkerung auf diesen Egoismus?

Das Datum steht. Am ersten Mai-Wochenende möchte die Bundesliga wieder in den Spielbetrieb starten. Mit Geisterspielen soll die Saison bis Ende Juni zu Ende gebracht werden.

Es ist ein selbstverordneter Optimismus, den sich die gesamte Branche auferlegt hat. Denn im aktuellen deutschlandweiten Lockdown ist es schwer vorstellbar, dass die Bundesliga eine Ausnahmegenehmigung erhält, auch wenn die Pandemie dann vier Wochen weiter ist und viele Maßnahmen gelockert sein dürften. 

Die Pläne stehen. Die existenziellen Nöte der Vereine sind zu groß. Ein Abbruch der Saison würde einem kollektiven Kollaps gleichkommen. Das hat die DFL nun mehrfach skizziert.

Ein Drittel der Verein steht vor der Insolvenz

750 Millionen Euro Einnahmen würden laut einer Schätzung wegbrechen, allein 370 Millionen Euro an TV-Geldern stehen noch aus und würden nur fällig werden, wenn die Spielzeit beendet werden kann. Ein Ausbleiben dieser Gelder würde angeblich für mindestens ein Drittel der Vereine den Gang in die Insolvenz bedeuten. Das soll eine Analyse ergeben haben. 

Und so versuchen immer mehr Klubs irgendwie zurück in den Trainingsbetrieb zu kommen. Ein Mannschaftstraining ist verboten, aber immerhin genehmigen die meisten Behörden Einheiten in Kleinstgruppen.

Die Comunio-Top-Elf der deutschen Spieler

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Abwehr: Philipp Max (FC Augsburg) - 117 Punkte | Bildquelle: imago images / Revierfoto

So trainiert der VfL Wolfsburg in mehreren Gruppen, die alle zeitversetzt unterschiedliche Kabinen und Duschräume nutzen. Borussia Dortmund lässt seine Profis gar zuhause duschen.

Werder Bremen ist froh überhaupt trainieren zu können. Der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer, wahrlich kein Freund des Profifußballs, hatte vorab einer Genehmigung für den Trainingsbetrieb eine Absage erteilt, ehe der Senat dann doch Grünes Licht gab.

Abstruse Szenarien für die Fortführung der Saison

Die Spieler müssen irgendwie auf ein Wettkampfniveau gebracht werden, so unmöglich das auch scheint. „Es ist unheimlich schwer, in den Modus zu kommen“, erklärte zum Beispiel Gladbachs Christoph Kramer unlängst im Aktuellen Sportstudio.

Der Rest der Saison könnte daher in erster Linie eine „Sache des Willens und der Mentalität“ werden. „Man muss sagen, es geht nicht mehr um Spaß, sondern darum, dass wir überhaupt wieder spielen“, sagte er in Bezug auf mögliche Spiele ohne Zuschauer. 

Über den Ablauf solcher Geisterspiele wird aktuell viel spekuliert. Teils abstruse Szenarien werden da von verschiedenen Seiten umrissen. Von einer Einkasernierung aller Mannschaften für zwei Monate ist die Rede. Die Teams sollen nur zu den Spielen aus den Hotels kommen und danach wieder „weggesperrt“ werden.

Eine andere Option sieht ein engmaschiges Testsystem aller Spieler, Trainer und Mitgliedern des Funktionsteams vor.

Wohl über 20.000 Corona-Tests nötig

Der renommierte Virologe Alexander Kekule geht davon aus, dass sich die Spieler der ersten beiden Ligen bis Saisonende insgesamt 20.000 Tests unterziehen müssten, stellte dies in Anbetracht der Testkapazitäten und allgemeinen Situation in Deutschland aber gleichzeitig in Frage.

„Wie man das der Gesellschaft dann erklärt, dass die so eine ganz besondere Situation bekommen, in der sie eben durch die Saison getaktet werden, aber es ganz vielen anderen Menschen draußen schlecht geht. Zugleich kämen die Bilder rein aus den Krankenhäusern. Ich weiß nicht genau, ob das politisch so gewollt ist“, sagte Kekule ebenfalls im Aktuellen Sportstudio.

Eine medizinische Taskforce der DFL soll in Zusammenarbeit mit den Teamärzten ein Konzept entwickeln, welche weiteren Maßnahmen ergriffen werden können, um die Spieler vor einer Corona-Ansteckung zu schützen.

Es ist die vielzitierte Blase, eine privilegierte und teils auch egoistische Stellung, die der Profifußball auch in dieser Causa einnimmt. Anders als häufig sonst nicht aus Profitgier, sondern viel mehr als Überlebensmaßnahme. 

Ist die Bundesliga systemrelevant?

Aber mit diesen existenziellen Problemen stehen sie nun einmal in diesen Tagen nicht alleine da. Viele Menschen fürchten um ihre Unternehmen, um ihre Arbeitsplätze. 

Doch während andere Profiligen reihenweise ihre Spielzeiten vorzeitig abbrechen, sieht sich „König Fußball“ gar als Stimmungsaufheller in einer schwierigen Zeit, als Instrument, um die Menschen von der Corona-Krise abzulenken, quasi als systemrelevant.

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Inwieweit man diese Meinung teilt, muss jeder Fan für sich selbst entscheiden. Außerhalb des Bundesliga-Kosmos wird sich das Verständnis dafür sicher in Grenzen halten.

Das Konstrukt Bundesliga lässt aber wohl keine anderen Optionen zu. Das machte DFL-Chef Christian Seifert unmissverständlich klar, ansonsten dürfte es viele Vereine nach Corona nicht mehr geben.

Losgelöst von der Frage, ob und wie die Saison beendet werden kann, wird die Branche in der Post-Corona-Zeit in jedem Fall eine andere sein. Ein „immer weiter und immer mehr“ wird es nicht mehr geben. Und auch wenn viele Beteiligte es nicht hören wollen, könnte Corona für den Sport ein reinigendes Gewitter sein. Ein Neuanfang.

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