Bayer 04 Leverkusen hat sich in der Bundesliga als dritte Kraft hinter Bayern München und Borussia Dortmund fest etabliert. Auch, weil die sportliche Leitung mit viel Weitsicht auf den Nachwuchs setzt. 

Levin Öztunali
Alter: 17
Comunio-Marktwert: 830.000 Euro

Vor der Saison ablösefrei aus der U19 des Hamburger SV geholt, gehört der 17-jährige Deutsch-Türke Levin Öztunali zu den größten Nachwuchshoffnungen der Werkself. Im defensiven Mittelfeld ist der beidfüßige Öztunali am besten aufgehoben – zu seinen wichtigsten Qualitäten gehören seine Zweikampfstärke, Übersicht und die Fähigkeit präzise und scharfe Flanken in den Sechzehner zu schlagen. So geschehen zum Beispiel beim Liga-Vorbereitungsspiel der Leverkusener gegen den niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim Ende Juli, als Stefan Kießling eine Flanke des Youngsters zum 4:0 Endstand veredelte. Gegenüber dem „Kicker“ äußerte sich Sportdirektor Rudi Völler damals überschwänglich: „Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass der Junge vor vier Wochen noch B-Jugend gespielt hat. Er ist viel weiter als wir alle dachten. Wir sind überglücklich, dass wir ihn bekommen konnten.“ In der Zweitvertretung der Leverkusener kam Öztunali bisher fünfmal zum Einsatz und spielte jeweils die vollen 90 Minuten; im Profi-Kader reichte es bisher nur zu drei Einwechslungen gegen Freiburg, Mainz und Hannover. Insgesamt hat er so 23 Minuten Bundesligaluft geschnuppert. Im Champions League-Spiel gegen Manchester United war er zwar im Kader, wurde aber nicht eingesetzt. Öztunali hat seit der U15 alle Jugendmannschaften der Deutschen Nationalmannschaft durchlaufen. Fun-Fact zum Schluss: HSV-Ikone Uwe Seeler ist sein Opa.

 

Emre Can
Alter: 19
Comunio-Marktwert: 2.660.000 Euro

Mit dem 19-jährigen Emre Can hat Bayer 04 einen Glücksgriff getan. Umgekehrt profitiert auch Can von seinem Wechsel von Bayern München nach Leverkusen, da er bei der Werkself auf Dauer eine wichtige Rolle spielen kann und sogar die Chance auf Einsätze in der Champions League hat. Für fünf Millionen Euro hatten Völler und Co den Deutsch-Türken vor der Saison geholt und ihm einen Vertrag bis 2017 gegeben, allerdings haben die Münchener sich eine Rückkaufoption gesichert – wohl weil sie wissen, dass aus Can im Verlauf der Jahre einer der besten deutschen Mittelfeldspieler werden könnte. Noch dazu ein vielseitig einsetzbarer: Im Pokalspiel gegen Bielefeld spielte Can auf der linken Verteidigerposition – und überzeugte sowohl durch sein defensives Durchsetzungsvermögen als auch durch gefährliche Offensiv-Vorstöße (u.a. seine Vorlage zum 2:0 durch Sidney Sam). 2011 mit der Fritz-Walter-Medaillie in Gold als bester Nachwuchsspieler der Altersklasse 17 ausgezeichnet, hat Emre Can seit der U15 alle DFB-Jugend-Nationalmannschaften durchlaufen. Sein einstiger U17-Coach Steffen Freund sah in Can den „komplettesten U17-Spieler, den ich je in meiner Karriere gesehen habe.“ In der laufenden Saison hat Emre Can in fünf Bundesliga-Spielen 160 Minuten absolviert und dabei eine Torvorlage gegeben.

 

Konstantinos Stafylidis
Alter: 19
Comunio-Marktwert: 370.000 Euro

Eigentlich steht Konstantinos „Kostas“ Stafylidis schon seit der vergangenen Saison bei Bayer 04 Leverkusen unter Vertrag – 1,5 Millionen Euro hatte Bayer damals bezahlt, lieh ihn aber gleich wieder an seinen alten Verein Paok Thessaloniki aus. Jetzt, zur Saison 2013/2014, ist Stafylidis, linker Verteidiger und griechischer U19-Vize-Europameister von 2012, endlich bei der Werkself angekommen. Für einen Einsatz in der Bundesliga hat es bei ihm aber noch nicht gereicht; bislang kam er für Bayers zweiten Anzug fünfmal „nur“ in der Regionalliga West zum Einsatz. Auf nicht all zu lange Sicht soll der junge Grieche aber eine Alternative zu Sebastian Boenisch werden – auf der linken Verteidigerseite ist der aktuell fast ohne Konkurrenz. Als Stärken des griechischen Linksfußes gelten seine gefährlichen Standards sowie seine Führungsqualitäten: Bei der U20-WM in der Türkei führte Stafylidis die griechische Mannschaft als Kapitän aufs Feld. Geht der Plan der Bayer-Bosse auf, reift Stafylidis nun also rasch zum Bundesliga-Spieler heran, bewiese das einmal mehr die Weitsicht von Rudi Völler und Manager Michael Reschke. Immerhin: Glaubt man einem Gerücht, hatte auch der FC Liverpool zuletzt seine Fühler nach Stafylidis ausgestreckt und eine wesentlich höhere Ablösesumme geboten. Bayer hatte da aber schon längst zugeschlagen…

 

Heung-Min Son
Alter: 21
Comunio-Marktwert: 5.330.000 Euro

Mit gerade mal 21 Jahren zählt Heung-Min Son, 18-facher südkoreanischer Nationalspieler, bei Bayer Leverkusen schon zum Kreis der Leistungsträger. Von den bisher acht absolvierten Bundesligaspielen bestritt Son sieben Partien – nur beim ungefährdeten 4:1-Sieg der Werkself beim FSV Mainz 05 kam Son nicht zum Einsatz. Ihm gelang bisher ein Tor und eine Torvorlage. Auch in der Champions League hat Son beide Spiele bestritten – gegen Manchester United (eine Torvorlage) und Real Sociedad wurde er jeweils kurz vor der 70. Spielminute ausgewechselt. Vor der Saison hatte Bayer Leverkusen für Son, der alternativ als Stürmer oder hängende Spitze eingesetzt werden kann, rund zehn Millionen Euro an den Hamburger SV überwiesen. Dort hatte Son seit der Saison 2009/2010 unter Vertrag gestanden und seine Leistungen kontinuierlich verbessert. Wie Sons Berater zuletzt verriet, hatten mit Manchester United, dem FC Liverpool, Tottenham Hotspur, Manchester City und Sunderland gleich fünf Premier-League-Klubs um den Südkoreaner gebuhlt.

 

Bernd Leno
Alter: 21
Comunio-Marktwert: 1.730.000 Euro

Vom „besten Torwart-Alter“ – falls es das wirklich gibt – ist Bayer Leverkusens Bernd Leno zwar noch weit entfernt. Doch der 21-Jährige hat sich bei der Werkself längst den Stammplatz zwischen den Pfosten erkämpft, aktuell ist er in der zweiten Saison Bayers Torhüter Nummer eins. 2011 hatte Bruno Labbadia Bernd Leno aus der zweiten Stuttgarter Mannschaft in den Profikader befördert – als dritten Keeper hinter Sven Ulreich und Marc Ziegler. Die Bayer-Torhüter eins und zwei derweil – René Adler und Fabian Giefer – waren weiland verletzt. Also holte Bayer 04 den damals 19-jährigen Leno an den Rhein und schmiss ihn ins kalte Wasser: Unmittelbar nach seiner Verpflichtung debütierte Leno in der Bundesliga. Das Experiment ist geglückt: Leno zählt heute zu den besten deutschen Torhütern, hat seit der U17 alle DFB-Junioren-Teams durchlaufen und darf leise auf eine Nominierung für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien hoffen. In der laufenden Saison hat Leno bisher acht Gegentore kassiert, seltener mussten nur Manuel Neuer (3) und Roman Weidenfeller (7) den Ball aus dem Netz holen.

Autor: Marcus Erberich

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