Nach einem halben Jahr zum Teil wildester Spekulationen sprach Pep Guardiola seine ersten Worte – auf Deutsch. Steht der FC Bayern mit dem Spanier nun an der Schwelle zu einer neuen Epoche?  

Der Beginn der Ära Pep Guardiola beim FC Bayern hatte etwas von einem Krimi-Film. Um Spuren vor der endgültigen Vertragsunterzeichnung im Dezember in New York zu verwischen, flog Präsident Uli Hoeneß über Chicago in den Big Apple. In einer Limousine mit getönten Scheiben und großen Vorhängen ging es in die 320. Straße, Central Park West.

Mehrere Stunden, erzählt Hoeneß im Rückblick, haben sich beide angeregt über Fußball unterhalten. Dann fragte Guardiola, ob er den mitgebrachten Dreijahresvertrag beim FC Bayern unterschreiben solle.

Die Last des Triples?

Knapp sieben Monate später sitzen beide auf dem Podium im Presseraum der Allianz Arena nebeneinander. Guardiola im feinen grauen Dreiteiler mit rubinroter Krawatte, sein neuer Präsident mit Dauergrinsen. Der Kontrakt ist unterschrieben – beim FC Bayern beginnt eine neue Episode, eine Zeitrechnung nach dem erfolgreichsten Jahr in der 113-jährigen Vereinsgeschichte.

„Die Mannschaft hat außergewöhnlich gespielt, vier Titel gewonnen. Ich versuche, das hohe Niveau meines Vorgängers fortzusetzen“, sagt Guardiola bei seiner offiziellen Vorstellung. „Natürlich hat jeder Trainer seine Meinung über eine Mannschaft, über seinen Fußball. Wenige, wenige Dinge möchte ich gerne wechseln.“

Doch was will der 42-Jährige, der beim FC Barcelona in vier Jahren 14 Titel sammelte, beim FC Bayern ändern? Die Mannschaft wirkt ausgewogen und homogen wie nie – Jupp Heynckes übergibt nach eigenen Aussagen das zurzeit beste Team der Welt.

Viel Demut bei Guardiola

Die Frage nach einem womöglich neuen taktischen Konzept, nach einer Imitation seines in Katalonien perfektionierten Kurzpassspiels, beantwortet Guardiola nicht. Stattdessen weist er darauf hin, dass der Fußball den Spielern gehöre und nicht dem Trainer.

Er fordere von sich selber eine hundertprozentige Anpassung, die neuen Gegebenheiten und die gewachsenen Strukturen beim FC Bayern lassen auch gar nichts anderes übrig. Das System spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Anders als seine Vorgänger

Überhaupt weiß Pep Guardiola durch seine sympathische Art bei seinem ersten Auftritt in München zu überzeugen. Sein Deutsch ist für ein knappes halbes Jahr Übung beeindruckend gut, auf große und markige Worte verzichtet er.

„Es ist ein Geschenk“, sagt der Neu-Münchner,“es ist ein Glück, hier zu sein. Auch, dass Bayern überhaupt daran gedacht hat, dass ich hier sein könnte. Ich möchte mich für diese Gelegenheit bedanken.“

Im Gegensatz zu zwei seiner Vorgänger verspricht Guardiola nicht, dass er jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen wolle (Jürgen Klinsmann). Auch nimmt er davon Abstand, sich durch Aussagen wie „Ich bin ich“ (Louis van Gaal) auf die gleiche Ebene des FC Bayern, des eigenen Credos „Mia san mia“ zu stellen. Vielmehr betont Guardiola, dass er Zeit brauche, um die Mannschaft und das gesamte Umfeld kennenzulernen.

Hoeneß‘ Versuch von Nachhaltigkeit

Sätze, die vor allem Uli Hoeneß gefallen. Der Präsident scheiterte letztendlich mit seinen Versuchen, durch die Installierung Klinsmanns oder van Gaals etwas Langfristiges und Nachhaltiges aufzubauen.

Nun sitzt Hoeneß da, neben seinem Wunschtrainer Pep Guardiola. Der holt nach der rund einstündigen Pressekonferenz zu seinen letzten Worten aus, die dann doch einen kleinen Einblick in seine Vorstellungen für den FC Bayern geben. „Ich liebe es, anzugreifen. Das ist meine Idee vom Fußball.“ Der Präsident grinst.

Autor: Sebastian Schramm

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