Im europäischen Supercup trifft der FC Bayern mit dem FC Chelsea auf den Verein, der für die wohl schmerzhafteste Niederlage der Klubgeschichte sorgte. Und auch die Trainer-Konstellation bringt Brisanz ins Spiel.  

Vorgeschichte: Eigentlich ist es noch gar nicht so lange her. Die Stadt München glich einem roten Meer aus Trikots, Fahnen und Schals, nur vereinzelte blaue Tupfer sorgten für Zweifarbigkeit. Der Sieg im Champions-League-Finale 2012 in der Allianz Arena schien an diesem lauen Frühlingsabend sicher.

Doch entgegen aller Vernunft, entgegen des Spielverlaufs und entgegen der Vorstellungen aller Anhänger des FC Bayern stemmte der FC Chelsea die begehrteste Trophäe im europäischen Fußball in den Nachthimmel von Fröttmaning.

15 Monate später treffen sich beide Mannschaften im Endspiel um den europäischen Supercup wieder – der tiefsitzende Schmerz ob der Niederlage ist beim FC Bayern durch den Triumph in der Königsklasse gelindert worden. Dennoch: Der Abend des 19. Mai hat bei den Münchnern eine Narbe hinterlassen.

„Wir haben noch eine kleine Rechnung offen, auch wenn wir das verlorene Champions-League-Finale leider nicht vergessen machen können“, erklärte Thomas Müller auf der vereinseigenen Homepage. „Ins Supercup-Finale kommt man nicht immer, deshalb wollen wir diesen Titel mit aller Macht gewinnen.“

Die Mannschaften: Obwohl die Siege in den europäischen Klub-Wettbewerben gerade wenige Monate her sind, gab es markante Veränderungen innerhalb beider Vereine. Die Bayern sicherten sich bereits im Januar die Dienste Pep Guardiolas, der erstmals in seiner Trainerkarriere den Sprung ins Ausland gewagt hat.

Guardiola hat den Münchnern ein neues taktisches Konzept mit an die Hand gegeben, an deren Umsetzung es an einigen Stellen noch immer hapert. Die Feinabstimmung benötigt verständlicherweise Zeit, der Spanier lobt vor der Presse jeden noch so kleinen Fortschritt.

Die Integration der beiden großen Neuzugänge Mario Götze und Thiago Alcantara verläuft nur schleppend. Letzterer fällt aufgrund eines Syndesmosebandrisses wohl bis Oktober oder November aus. Götze kommt nach der langwierigen Muskelverletzung immer besser in Tritt, doch die fehlende Spielpraxis ist noch spürbar.

Glück im Unglück hatten die Bayern beim ersten Punktverlust der Saison. In Freiburg verletzte sich Bastian Schweinsteiger am Sprunggelenk, doch die Hoffnung auf einen Einsatz gegen den FC Chelsea ist gegeben.

Und auch die Blues stecken inmitten eines Reformprozesses. Mit der Verpflichtung Jose Mourinhos will der Klub aus London-Fulham wieder eine eigene Identität entwickeln. Weg von Interimslösungen, eine Mischung aus gestandenen Spielern und talentiertem Nachwuchs soll den Erfolg an die Stamford Bridge bringen.

Die Trainer: Neben der sportlichen Revanche ist das Supercup-Finale auch ein Wiedersehen der erfolgreichsten Trainer des letzten Jahrzehnts. Zwei Jahre duellierten sich die beiden Ausnahmekönner in der spanischen Liga, vor allem Jose Mourinho sorgte während dieser Zeit für Gesprächsstoff.

Egal ob vermeintliche Schiedsrichterentscheidungen pro Barcelona, Handgemenge oder die direkte Konfrontation mit Pep Guardiola selbst – der streitbare Portugiese führte einen öffentlichen Psychokrieg, um den Spanier und seine Mannen zu verunsichern.

Kurz vor dem Endspiel um den europäischen Supercup in Prag hat Mourinho wieder mal eine kleine Spitze in Richtung Guardiola geschickt. „Der FC Bayern des Jupp Heynckes war das beste Team Europas. Jetzt haben sie einen neuen Trainer und neue Spieler – und ich bin nicht mehr sicher, ob sie immer noch so gut sind. Und Guardiola muss den Supercup gegen uns gewinnen, er hat das beste Team. Ich dagegen baue eine junge Mannschaft auf.“

Autor: Sebastian Schramm

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