Das Zeit des Übergangs scheint vorbei: Borussia Mönchengladbach hat im Sommer intelligent und nach Lucien Favres Vorstellungen eingekauft – ist in dieser Saison wieder Europa möglich?  

Jürgen Klopp ist ein Medienprofi. Über Jahre hinweg profilierte sich der Dortmunder Trainer im Umgang mit der Presse, zuweilen war er beim „ZDF“ selbst Teil der Maschinerie.

Die meisten seiner Worte sind, trotz seiner offenen und lockeren Art, wohl durchdacht. Doch manchmal nimmt er sich die Freiheit, einen markigen Spruch rauszuhauen. In einem Interview mit der „SportBild“ stellte der 46-Jährige für sich fest, dass Borussia Mönchengladbach einen breiteren Kader als seine Mannschaft hätte.

„Beim Telekom-Cup habe ich mir die elf Jungs angeschaut, die sich warm machen, und dachte: Hoppla, das ist ja nochmal eine Bundesliga-Mannschaft.“

Kruse ein Volltreffer

Eine interessante und für einige wohl auch höchst diskutable These. Fakt ist, dass Gladbachs Sportdirektor Max Eberl auf dem Sommer-Transfermarkt mit Köpfchen agiert hat. Das bestehende und bereits europäisch geprobte Gefüge wurde sinnvoll ergänzt. Die von Klopp angesprochene Breite ist tatsächlich vorhanden.

„Königstransfer“ Max Kruse hebt mit seiner Vielseitigkeit den Offensivbereich auf ein neues Niveau. Der Ex-Freiburger hat den Schwung der letzten Saison mitgenommen – und auch die Nominierung für die Nationalmannschaft scheint den 25-Jährigen unheimlich zu beflügeln.

Sein Arbeitsnachweis: Zwei Tore und eine Vorlage in vier Spielen. Insgesamt sammelte Kruse bisher 32 Comunio-Punkte. Zusammen mit seinem Marktwert von rund 9 Millionen Euro ist er neben Nicolai Müller der zurzeit wohl heißeste Spieler auf den Transfermärkten Comunios.

Favres neues, altes Konzept

Zudem wurde mit dem Brasilianer Raffael ein absoluter Wunschspieler Lucien Favres verpflichtet. Beide arbeiteten bereits in Berlin und Zürich zusammen, unter dem Schweizer blüht der Mittelfeldspieler regelrecht auf.

Auffällig: Die Verpflichtungen sind der neuen, alten Spielweise der Gladbacher untergeordnet. Wie schon in der Saison 2011/12, als die Fohlen mit Marco Reus und Co. die Bundesliga auf den Kopf stellten, setzt Favre auf überfallartige Konter und den schnellen Abschluss.

Patrick Herrmann, Raffael, Kruse und Juan Arango harmonieren bereits nach vier Spieltagen auffällig gut – Gladbachs Hochgeschwindigkeits Fußball 2.0?

Probleme in der Defensive

„Wir haben sicher mehr Klasse als im Vorjahr, auch wenn wir das so nicht als Ziel ausgegeben haben“, sagt Herrmann. „Ein Vergleich mit der Mannschaft der Saison 2011/12 ist aber sicher noch übertrieben. Da haben wir uns blind verstanden.“

Herrmann hat nicht Unrecht: Zu dem Offensivkonzept soll sich nach den Vorstellungen der Gladbacher auch die kompakte Defensive mischen. Doch nach den ersten vier Spieltagen suchen die Fohlen noch nach der richtigen Balance. Zehn geschossenen Toren stehen acht kassierte Treffer gegenüber.

Gute Voraussetzungen

Die Diskrepanz zwischen Angriff und Verteidigung schmälert allerdings nicht die gute Position im Comunio-Mannschaftsranking. Die Gladbacher weisen einen Marktwert von rund 56 Millionen Euro auf – mit 176 erspielten Punkten rangieren die Fohlen gar in einer Region mit Borussia Dortmund.

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Spielzeit sind gegeben, ob in der Bundesliga oder bei Comunio. Genug, um Jürgen Klopp gefährlich zu werden? Vielleicht war die Aussage des versierten Rhetorikers auch nur eine Nebelkerze.

Autor: Sebastian Schramm

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