Zum ersten Mal in der Geschichte der Champions League stehen zwei deutsche Mannschaften im Halbfinale. Gelingt der ganz große Wurf oder sind die Spanier zu stark?  

Zwar geht es bei der vom DFB geschalteten News zur Weltrangliste am Donnerstag um die Nationalmannschaft, aber treffender kann die Quintessenz einen Tag nach Abschluss der Viertelfinalpartien in der Champions League nicht sein: Deutschland bleibt Spanien auf den Fersen! Die Vorschlussrunde in der Königsklasse verkommt zum Länderkampf, beide Nationen schicken ihre besten Mannschaften in den Ring. Comunioblog zieht Bilanz und schätzt Chancen der Teams ein.

Borussia Dortmund: Die ohnehin schon überragende Saison der Dortmunder wurde im Viertelfinalrückspiel gegen den FC Malaga noch einmal potenziert. Rückstand gedreht, zwei Tore in der Nachspielzeit: Die Borussia bewegte sich zwischen Himmel und Hölle. „Wir waren schon tot. Und auf einmal sprangen mir 20 Leute in den Rücken, das war unglaublich“, freute sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Erstmals seit 15 Jahren stehen die Schwarz-Gelben nun wieder unter den besten vier Klubs Europas. Eine logische Konsequenz der laufenden Saison – die Dortmunder setzten sich in der Gruppenphase als Tabellenerster gegen Manchester City, Ajax Amsterdam und Real Madrid durch und sind als einziges der verbleibenden Teams noch ungeschlagen. „Von den Namen her sind wir das schwächste Glied“, sagt Nuri Sahin, „aber jetzt kann jeder den Titel holen. Besonders nach so einem Spiel ist uns alles zuzutrauen. Wir wollen unbedingt den Titel holen.“

FC Bayern München: Meisterschaft? Check. DFB-Pokal-Halbfinale? Check. Zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren in der Vorschlussrunde der Königsklasse? Check. Bei den Münchnern läuft alles nach Plan. Zwar gingen in dieser Champions-League-Saison schon zwei Spiele verloren, im Viertelfinale gegen Juventus waren die Bayern aber voll auf der Höhe. Die taktisch unangenehm zu spielenden Turiner wurden vor allem im Hinspiel phasenweise überrollt. „Wir waren eigentlich chancenlos gegen die Supermacht Bayern“, sagte Juventus-Coach Antonio Conte nach dem Rückspiel. Die Schmach um das verlorene Endspiel im eigenen Stadion scheint verarbeitet, die sich daraus ergebende Motivation könnte bei dieser Leistungsdichte ein entscheidender Faktor werden. Doch wer soll es im Halbfinale sein? Präsident Uli Hoeneß wünscht sich die Borussia: „Sie sind das schwächste der verbliebenen Teams, sie sind schlagbar. Ich glaube, sie sind schlagbar, schlagbarer jedenfalls als die Spanier. Wir wollen ins Endspiel – und Dortmund wäre der Gegner, gegen den wir die meisten Chancen hätten“

Real Madrid: Die Madrilenen befinden sich seit mittlerweile elf Jahren auf der Jagd nach dem zehnten Titel in der Champions League – la decima! Durch das Weiterkommen gegen Galatasaray im Viertelfinale steht Real zum dritten Mal in Folge im Halbfinale, allerdings war dort in den letzten beiden Spielzeiten immer Endstation. Für Cristiano Ronaldo kein Grund zur Sorge: „Ich sehe uns sehr stark und denke, dass wir das Finale der Champions League erreichen können.“ In der laufenden Saison spielten die Königlichen bereits gegen Borussia Dortmund – und holten aus zwei Partien lediglich einen Punkt. Im Achtelfinale ging es dann mit etwas Glück gegen Manchester United weiter. Klub-Legende Raul, der mit einem Treffer im Finale 2002 den Weg für den letzten Titel in der Champions League ebnete, traut Real trotzdem den ganz großen Wurf zu: „Madrid ist auf einem guten Weg. Ich hoffe, dass sie im Mai den zehnten Titel schaffen. Das ist das, was sich alle Madridistas wünschen.“

FC Barcelona: Die Blaugrana nehmen auch zum sechsten Mal in Folge ihr Abonnement auf das Halbfinale der Champions League wahr. Trotz der beeindruckenden Marke ist die Überlegenheit aus Zeiten Pep Guardiolas ein wenig abhanden gekommen. Im Viertelfinale mühte sich Barca zu zwei Unentschieden gegen Paris Saint-Germain, ohne Superstar Lionel Messi kommt die Mannschaft schnell aus dem Tritt. Oftmals reicht allerdings seine physische Präsenz, um eine Partie zu drehen. „Messi ist der Beste der Welt, seine Anwesenheit ist entscheidend“, gibt Gerard Pique zu. Für David Villa sei Messi der beste Spieler der Welt, seine Einwechslung gegen Paris brachte beim Stande von 0:1 die Wende zugunsten Barcas, sagte der Angreifer nach dem Spiel. Doch ungeachtet der immer häufiger werdenden Leistungsschwankungen: Ruft Barcelona das volle Potenzial ab, wird es für die drei übrigen Halbfinalisten extrem schwer.

Fazit: Die zurzeit vier besten Mannschaften Europas treffen aufeinander. Eine Konstellation, die aufgrund der enorm hohen Leistungsdichte in dieser Form wohl noch nicht dagewesen ist. Dass die Vorschlussrunde auch ein Abbild des internationalen Fußballs, sprich der Nationalmannschaft ist, bringt eine besondere Note hinein. „Dies ist Ausdruck für das Topniveau dieser beiden Vereine“, sagt Bundestrainer Joachim Löw, „aber auch der Bundesliga. Die Liga und der gesamte deutsche Fußball brauchen diese Aushängeschilder.“

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Autor: Sebastian Schramm

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