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Die Rückkehr von Mats Hummels von Bayern München zu Borussia Dortmund könnte der spektakulärste Transfer dieses Sommers werden. Welche Argumente sprechen dafür, welche dagegen?

Noch ist längst nichts in trockenen Tüchern, doch es deutet aktuell vieles darauf hin, dass Mats Hummels nach drei Jahren beim FC Bayern wieder nach Dortmund zurückkehrt. Glaubt man diversen Medienberichten, auch von seriösen Medien wie dem Kicker, dann geht es alleine noch um die Ablösesumme. Hummels scheint den Wechsel selbst initiiert zu haben und von Bayern-Seite scheint man gewillt, den Spieler gehen zu lassen. Aber was verspricht sich der BVB von der Rückkehr seines alten Kapitäns?

Die zehn besten Dortmunder der Saison 2018/19:

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Platz 10: Lukasz Piszczek (Abwehr), 81 Punkte, Bildquelle: imago images / DeFodi

Contra

1) Teures Gesamtpaket

Noch liegen Bayern und der BVB bezüglich der Ablöse weit auseinander. Irgendwo zwischen 20 und 30 Millionen werden sich beide am Ende vermutlich einigen. Das dürfte  ungefähr dem Marktwert eines 30-Jährigen Weltmeisters entsprechen, der noch immer ein paar Jahre vor sich hat. Dortmund hat zwar gerade durch Christian Pulisic mehr als 60 Millionen Euro eingenommen, dennoch dürfte das Gesamtpaket Hummels ein sehr teures werden: Mit einem aktuell geschätzten Jahresgehalt von 12 Millionen Euro wäre Hummels beim BVB neben Reus direkt Spitzenverdiener, wenn er keine Gehaltseinbußen machen will. Knapp 60 Millionen Euro müssten die Schwarz-Gelben dann also in das Gesamtpaket Hummels investieren.

2) Kein Platz mehr für Talente

Beim BVB würde er außerdem der Entwicklung vielversprechender Talente im Wege stehen. Neben Leonardo Balerdi, der als einer der größten Innenverteidiger-Talente Argentiniens gilt, würde die Luft auch für Dan-Axel Zagadou sehr dünn. Gerade der junge Franzose braucht aber dringend Spielpraxis, um seine gelegentlichen Schnitzer abzustellen. Selbst Abdou Diallo müsste fortan um seinen Stammplatz fürchten, während Ömer Toprak wohl ohnehin gehen müsste. Schlechte Stimmung im Team? Absolut möglich.

3) Schnelligkeits-Defizite

Hinzu kommt, dass Hummels wohl die aus individueller Sicht schlechteste Saison seiner Karriere hinter sich hat. Allzu oft offenbarte er Schnelligjkeits-Defizite, gegen flinke Spieler wie Bremens Milot Rashica sah er bisweilen kaum Land. Und dann gab es ja auch noch die Ausbootung aus der Nationalmannschaft. Eine herbe Enttäuschung für ihn – auch, weil sich nicht unbedingt viele Youngster als Alternativen aufdrängten.

4) Vorbehalte bei Fans

Vor allem aber haben noch einige Fans in Dortmund Vorbehalte gegen Hummels. Den Wechsel zum FCB nahmen ihm damals viele Fans übel. Bei seinem letzten Spiel wurde er bei jedem Ballkontakt ausgpfiffen. Schließlich hatte sich Hummels einst noch über den Wechsel von Mario Götze zum Rekordmeister beklagt. Die Rückkehr-Aktion, sollte sie denn überhaupt stattfinden, spaltet jedenfalls schon jetzt die Fans.

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Pro

1) Kopfballungeheuer

Was Dortmund am Ende wahrscheinlich den Titel gekostet hat, war die Anfälligkeit bei Standardsituationen. Nach jedem gegnerischen Eckball ging dem gemeinen BVB-Fan der Stift. Vor allem beim Kopfballspiel gibt es, sieht man mal von Dan-Axel Zagadou ab, keinen Innenverteidiger der sich in dieser Disziplin hervortut. Das bringt aber Hummels ohne Zweifel mit. Zum Vergleich Diallo und Akanji kommen auf 54 bzw. 58 Prozent gewonnener Luftduelle, Hummels schaffte in der letzten Spielzeit 68 Prozent. Und auch in der Offensive wird er damit zur Waffe. Bezeichnend. Sein einziges Tor erzielte er 2018/19 gegen Dortmund – per Kopf.

2) Führungsqualitäten

Hummels ist nicht nur sechsfacher Meister, zweifacher Pokalsieger und Weltmeister, er hat vor allem auch enorme Führungsqualitäten. Dem jungen Innenverteidiger-Duo um Akanji und Diallo würde hier also ein Mann an die Seite gestellt, an dem Sie noch wachsen können. Hummels könnte außerdem Marco Reus ein wenig entlasten, der im letzten Jahr den alleinigen Leitwolf geben müsste. Die Achse um Hummels/Witsel/Reus, garniert mit diesen vielen jungen Talenten, wäre äußerst vielversprechend.

3) Aufbauspiel

Auch Abdou Diallo und Manuel Akanji haben ihre Qualitäten im Spielaufbau, an das Niveau von Mats Hummels kommen sie aber bei weitem nicht ran. Die Pässe des 30-Jährigen sind noch immer auf Weltklasse-Niveau und suchen ligaweit von allen Innenverteiigern ihresgleichen. Mit 91 Prozent erfolgreicher Pässe hatte er in der vergangenen Saison eine der stärksten Passquoten.

4) Von wegen alter Hase

Viele, die Hummels bereits im Spätherbst seiner Karriere verorten, sollte bewusst sein: Hummels ist exakt so alt wie Marco Reus. Und dem BVB-Kapitän traut man schließlich auch noch einige Jahre auf höchstem Niveau zu. Lothar Matthäus spielte im Hummels-Alter 1990 die WM seines Lebens – und legte anschließend noch zehn Jahre drauf. Dass muss Hummels zwar nicht, doch Top-Leistungen sind von ihm noch ein paar Jährchen zu erwarten. Und dabei muss er nicht unbedingt der Schnellste sein. Vieles macht er ohnehin mit seinem Stellungsspiel wett.

Fazit

Die Karriere von Mats Hummels ist noch längst nicht zu Ende. Trotz einiger Defizite in der Schnelligkeit ist er sportlich exakt das fehlende Puzzleteil für den BVB. Seine Spielaufbau, seine Erfahrung aber vor allem sein Kopfballspiel würde Dortmund nicht nur bereichern, sondern auch eklatante Schwächen aus der Vorsaison bereinigen. Die Skepsis bei einigen Fans wäre wohl relativ schnell verflogen. Mario Götze ist inzwischen auch längst wieder Teil der BVB-Familie. Talente wie Zagadou und Balerdi müssten fortan zwar um Spielpraxis fürchten, sie könnten sich wiederum vom Altmeister noch so einiges abschauen.

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Autor: Karol Herrmann

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