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Immer mehr Mannschaften spielen in der Verteidigung mit Dreierkette. Aber ist der neue taktische Trend nur ein Mittel, um Beton anzurühren? Comunio macht den Check.

Dreierkette – je nach Definition ist der Begriff als solcher missverständlich, denn bei Ballbesitz des Gegners wird aus der Dreierkette schnell eine Viererkette, meist sogar eine Fünferkette. Und bei einem Gegner wie Bayern ist das über weite Strecken der Partie der Fall. Der Vorteil: Durch die drei nominellen Innenverteidiger wird das Abwehrzentrum kompakter, die Außenverteidiger agieren hingegen etwas höher, auf dem Papier faktisch im Mittelfeld, und können sich bei Bedarf vermehrt in der Offensive mit einschalten.

Auch Dortmund immer öfter mit Dreierkette

Die Tatsache, dass Bayern München unter Carlo Ancelotti und RB Leipzig unter Ralf Hasenhüttl ausschließlich mit Viererkette agieren, untermauert die These, dass Dreierketten eher von kleineren Teams als probates Mittel gegen überlegene Mannschaften eingesetzt werden.

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Nun wählt aber auch Thomas Tuchel bei Borussia Dortmund immer öfter die Dreierkette, einerseits beim Sieg gegen die Bayern im November, andererseits auch gegen deutlich schwächere Gegner wie den Tabellenletzten aus Darmstadt. Der Verdacht zu mauern liegt hier fern, vielmehr will Tuchel so einen weiteren Mittelfeldspieler gewinnen. In der Rückwärtsbewegung orientiert sich dann meist nur ein statt zwei Flügelspieler in die Abwehrkette, etwa Erik Durm.

Neue Heimat für Luiz Gustavo und Vogt – Häufige Wechsel in Köln

Wie wir im Dezember bereits berichtet haben, profitieren einige Spieler klar vom neuen Trend. Gerade bei Mannschaften, die inzwischen ausschließlich mit Dreierkette agieren, wie Hoffenheim oder Schalke, gibt es Punkthamster: So ist zum Beispiel Niklas Süle mit 99 Zählern der beste Verteidiger, auch Flügelspieler wie Pavel Kaderabek (74) und Sead Kolasinac (72) blühen in ihren neuen, offensiveren Rollen förmlich auf. Andere Spieler wie Wolfsburgs Luiz Gustavo oder Hoffenheims Kevin Vogt, eigentlich Mittelfeldspieler, haben in der Abwehr eine neue Heimat gefunden.

Auch bei Eintracht Frankfurt findet man meist eine Dreier-Verteidigung auf dem Spielberichtsbogen. Lediglich gegen vermeintlich schwächere Gegner (Darmstadt und Ingolstadt) wählte Niko Kovac eine Viererkette. Umgekehrt probierten es der Hamburger SV und der FSV Mainz 05 gegen stärkere Teams (Bayern und Dortmund) mit drei nominellen Innenverteidigern – jeweils erfolglos.

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Ein häufiger Wechsel zwischen Dreier- und Viererkette kann man beispielsweise in Köln beobachten. Peter Stöger entscheidet dabei aber weniger nach dem Gegner, sondern eher nach dem Personal, was ihm gerade zur Verfügung steht. Freiburgs Christian Streich setzt nur gelegentlich gegen konterstarke Teams wie Leipzig oder Hoffenheim auf Dreierkette, zuletzt auch gegen Dortmund, als er nach nur 24 Minuten umstellte und mit Marc-Oliver Kempf  einen zusätzlichen Innenverteidiger für Rechtsaußen Onur Bulut brachte. Da war es dann aber schon zu spät.

Experiment in Bremen gescheitert?

Bei manchen Clubs entscheidet aber einfach auch der Geschmack des Trainers. So hat der FC Ingolstadt unter Maik Walpurgis komplett von Vierer- auf Dreierkette umgestellt, in Mönchengladbach lief es unter Dieter Hecking genau andersherum.

Obwohl sich grundsätzlich ein klarer Trend zur Dreierkette beobachten lässt, spielen neben den bereits genannten Bayern und Leipzigern auch Leverkusen, Hertha, Augsburg und Darmstadt in dieser Saison noch ausschließlich mit einer Vier-Mann-Verteidigung.

Denn nicht immer lohnt sich das Experiment: Viermal testete Alexander Nouri bei Werder Bremen zu Jahresbeginn die Dreier-Abwehr, viermal ging man als Verlierer vom Platz. Danach kehrte man wieder zur Grundordnung mit einer Viererkette zurück und siegte zweimal. Allerdings wechselte Werder häufig während des Spiels das System, unabhängig davon, mit welcher Kette man begann. So auch gegen Wolfsburg, als nach einer halben Stunde sich wieder eine Dreier- bzw. Fünferkette formierte. 

Ob das Experiment gescheitert oder nicht ausgereift ist, wird die Zeit zeigen. In Bremen sprechen sie noch von taktischer Flexibilität. 

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Autor: Karol Herrmann

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