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Valerien Ismael ist neuer Trainer des griechischen Erstligisten Apollon Smyrnis. Noch vor Bekanntgabe seines neuen Engagements als Trainer in Griechenland haben wir mit ihm im Interview über seine Zeit beim VfL Wolfsburg, die Trainersituation in der Bundesliga und Thomas Tuchel gesprochen.
Hinweis: Das Interview wurde am 15.05.2018 – also vor der Bekanntgabe des vorläufigen WM-Kaders – geführt.
Comunioblog: Knapp 15 Monate ist ihre Zeit als VfL-Trainer her – was haben Sie in der Zwischenzeit gemacht?
Ismael: Es gab viel zu tun in den letzten 15 Monaten! Einen großen Teil der Zeit habe ich mit meiner Familie genutzt, ich habe zwei Kinder – Drei und bald ein Jahr alt – da ist natürlich immer viel zu tun. Außerdem bin ich viel gereist, habe viele Spiele angeschaut, im Fernsehen, aber auch unterwegs – ob in Deutschland oder Frankreich. Außerdem habe ich einige Sprachkurse besucht – es gab auf jeden Fall genug zu tun (lacht).
Comunioblog: Gab es nach ihrer Freistellung in Wolfsburg schon neue Jobangebote?
Ismael: Ja, es gab immer wieder Kontakte mit Vereinen und auch das ein oder andere Treffen, hauptsächlich im Ausland. Das richtige Projekt war für mich aber bisher nicht dabei und es gibt heutzutage ja sehr viele gut ausgebildete Trainer auf dem Markt. (Anm. d. Red.: Inzwischen war das Richtige dabei. Ismael übernimmt die Nachfolge von Georgios Paraschos in Athen.)
Comunioblog: Es drängen immer mehr externe Trainer, ohne große Spielerkarriere ins Geschäft. Wie sehen Sie generell die Entwicklung auf dem Trainermarkt?
Ismael: Meiner Beobachtung nach ist das vor allem ein deutsches Phänomen. International ist diese Entwicklung nicht ganz so offensichtlich wie in Deutschland. Aber klar ist da eine Tendenz zu erkennen – so bekommen auch immer mehr junge Trainer eine Chance. Momentan gibt es eigentlich ganz besonders zwei Tendenzen: Zum Einen der junge, unbekannte Trainer, der sofort einschlägt und zum Anderen die Variante mit dem erfahrenen Mann. Dazwischen gibt es eher wenig.
Comunioblog: Gefühlt hat sich die Qualität der Bundesliga in den letzten 1-2 Jahren verschlechtert. Das internationale Abschneiden der deutschen Vereine ist vielleicht ein Beleg dafür. Außerdem liegt bei vielen Mannschaften das Hauptaugenmerk darauf, das Spiel des Gegners zu zerstören, anstatt selbst aktiv das Spiel zu machen. Ist diese Entwicklung eine Folge der vielen sogenannten „Laptop-Trainer“, die mehr Wert auf Taktik legen?
Ismael: Meiner Meinung nach ist das eine Folge der Drucksituation in Deutschland, gerade in der Bundesliga. Die Vereine wechseln extrem schnell die Trainer, egal ob 1. oder 2. Liga. Sogar nach drei Spieltagen wird mittlerweile der Trainer gewechselt, obwohl man ihn gerade erst geholt hat. Als Coach hat man so natürlich keine Zeit mehr, etwas zu entwickeln. Es geht darum, dass du Erfolge hast. Wenn du Erfolg hast, dann schaffst du Ruhe und kannst danach anfangen, etwas zu entwickeln. Deswegen achten die Trainer heute mehr darauf, dass alles diszipliniert und kompakt aussieht – möglichst wenig zulassen und über Konter schnell nach vorne spielen. So nehmen die Trainer den Druck und jede Diskussion raus. Es gibt natürlich auch ein paar Mannschaften, die dennoch sehr guten Fußball spielen: FC Bayern München, Borussia Dortmund, aber auch RB Leipzig ist eine Mannschaft mit Konzept und die TSG Hoffenheim spielte in dieser Saison ebenfalls sehr ansehnlichen Fußball mit einem klaren Spielstil mit der Dreierkette, der über die Zeit entwickelt wurde. Es gibt also schon ein paar Vereine, die ihre Philosophie haben – meistens ist es aber wirklich so, dass die disziplinierte Sicherheit im Vordergrund steht.
Das sieht man etwa bei Schalke, die ohne Frage eine gute Saison gespielt haben, aber nicht jedes Spiel war wirklich schön anzusehen. Stuttgart hat sich auch super gerettet, seit Korkut da ist. Das war eine super Entwicklung mit Blick auf die Tabelle, aber das Augenmerk lag ganz klar erst einmal darauf, sehr gute Defensivarbeit zu leisten. Wenn du irgendwann auf der internationalen Ebene ankommst, geht es aber nicht mehr einfach nur um gute Abwehrleistung. Da musst du dann ins Risiko gehen und da haben sich die deutschen Mannschaften in diesem Jahr sehr schwer getan – auch gegen Gegner, die auf dem Papier eigentlich hätten geschlagen werden müssen. Hier sieht man die Lücke der Bundesliga dann sehr deutlich – und da muss man sich Gedanken machen, wie diese Lücke in den kommenden Jahren wieder zu schließen ist.
































