Viktor Skripnik

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Werder Bremen hat sich von Trainer Viktor Skripnik getrennt. Dabei hinterlassen die Verantwortlichen ein desaströses Bild und lassen ihren Intimus Skripnik nun als Bauernopfer zurück. Dabei hätte alles so harmonisch ablaufen können – ganz im Sinne der Werder-Familie. 

Jetzt zogen die Verantwortlichen in Bremen also doch die Reißleine. Viktor Skripnik wurde samt Co-Trainer beurlaubt. Nach dem desaströsen Auftreten seiner Mannschaft half ihm auch nicht mehr das Treuebekenntnis von Manager Frank Baumann, erst nach den ersten acht Spieltagen ein Zwischenfazit ziehen zu wollen.

Die vielzitierten Mechanismen der Bundesliga griffen bereits jetzt. Auf der Rückfahrt aus Mönchengladbach soll Skripnik über die Entscheidung informiert worden sein. Nachdem Baumann zuvor noch in die Mikrofone der Medienvertreter sprach, dass am Samstag keine Personalentscheidung gefällt werden würde. Ein unrühmlicher Abgang für die Werder-Legende.

Fatale Nibelungentreue

Es passt zu dem unglücklichen Auftritt des neuen Managers in diesen Tagen. Die in der Vergangenheit häufig als Erfolgsgarant glorifizierte Werder-Familie ist in den vergangenen Jahren immer mehr zu einer Mischpoke verkommen, die einzig in ihrem eigenen Saft schmort und neue Einflüsse nur widerwillig zulässt.

So musste der unbequeme, extern verpflichtete Manager Thomas Eichin gehen, weil er – und nicht nur er – eben schon im Mai erkannte, dass sich Skripnik als Trainer abgenutzt hatte. Doch die Werder-Familie stützte ihren Coach, der seit rund 20 Jahren im Verein arbeitet. Eine fatale Nibelungentreue. Aufsichtsratsvorsitzender Marco Bode trennte sich stattdessen von Eichin und installierte Intimus Baumann.

Anstatt für einen sauberen Schnitt zu sorgen und den angeknockten Trainer als gefeierten Nichtabstiegshelden in eine andere Position zu hieven, schleppten sie Skripnik mit in die neue Saison, obwohl für jeden Außenstehenden ersichtlich war, dass dies nicht funktionieren wird.

Skripnik hatte so nie eine Chance, das Ruder herumzureißen und das Team in bessere Zeiten zu führen. Seine Entlassung stand seit der Trennung von Eichin fest, nur die Verantwortlichen wussten dies nicht. Bei den Buchmachern galt der Ukrainer als Kandidat für den ersten Rausschmiss und auch bei den Fans hatte die Werder-Legende längst keinen Rückhalt. Zu hilflos wirkte die Mannschaft in der Endphase der Vorsaison. Erst eine nie dagewesene Unterstützung der Fans trug das Team zum Klassenerhalt.

Jetzt gibt es nur noch die Resterampe

Doch Blut ist dicker als Wasser und so wurden alle äußeren Anzeichen innerhalb des Vereins ignoriert. Vielmehr verpasste der Verein so einen klaren Neuanfang im Sommer, als der Trainermarkt viele vielversprechende Alternativen hergab. Jetzt nach drei Spieltagen in der Saison bleibt einzig die Resterampe geöffnet, werden wieder die Namen gehandelt, die immer ein Thema sind, sobald irgendwo ein Kollege seinen Platz räumen muss. Egal, wer Interimstrainer Alexander Nouri beerben wird, er muss mit einem verunsicherten Kader arbeiten, den er nicht zusammengestellt hat.

Werder erleidet in diesen Tagen einen Schaden, deren Ausmaße aktuell allenfalls abzuschätzen sind. Die Mannschaft gibt ein katastrophales Bild ab, die Verantwortlichen schlingern medial auf verstörende Weise und haben mit ihrer Entscheidung Skripnik erst jetzt zu entlassen, dessen Reputation so nachhaltig zerstört, dass er wohl in Deutschland keinen neuen Job mehr finden wird.

Zu aller Letzt bleiben die Fans zurück, die in der Vorsaison in unglaublicher Weise hinter dem Team standen, die große Hoffnung auf eine bessere Saison hatten und die nun abermals auf eine Weise enttäuscht wurden, die Außenstehende ob ihrer Leidensfähigkeit nur staunend zurücklässt.

In diesen Tagen gibt es an der Weser nur Verlierer und das nicht nur sportlich.

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Autor: Marc-Oliver Robbers

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