Max Kruse hat zwei Dinge geschafft: Sich von seinem Rüpel-Image zu lösen und sich bei Borussia Mönchengladbach durchzubeißen. Sein nächstes Ziel ist die Weltmeisterschaft in Brasilien.  

Alle sprechen über diese „Typen“, die es – so lautet die vorherrschende Meinung – leider nicht mehr gibt. Als der Fußball den aalglatten Vollprofi erfand, mussten die Typen sich ändern – oder gehen, wohin auch immer.

Max Kruse war so ein Typ: Markige Sprüche, überhebliche Späße, ein Rap-Video, in dem „MC Max“ über Sexpraktiken mit Bezahldamen sang. Holger Stanislawski, Kruses Trainer beim FC St. Pauli, nannte Kruse gerne einen „Vollpfosten“, meistens mit einem Augenzwinkern.

Aber zu Kruses Eigenheiten zählten nicht nur die Sprüche und Späße, sondern auch eine gehörige Portion Selbstüberschätzung, Naivität und bisweilen mangelnde Disziplin. Unter Thomas Schaaf brachte es Kruse zu seinen Bremer Zeiten nur zu einem einzigen Bundesliga-Einsatz in der Saison 2007/2008, 2009 folgte dann sein Wechsel zum FC St. Pauli in die zweite Liga.

Streich stellt Kruse in den Sturm und Kruse trifft

Mit dem Kiez-Klub stieg Kruse in derselben Saison in die Bundesliga auf – allerdings auch postwendend wieder ab. Zur Saison 2012/2013 wechselte er schließlich zum SC Freiburg, wo er zur besten Freiburger Mannschaft der letzten Jahre gehörte.

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Am Ende der Saison stand der SC Freiburg auf Platz fünf – und damit unverhofft in der Europa League. Auch, weil Max Kruse im Saisonverlauf elf Tore selber geschossen und acht weitere vorbereitet hatte.

Der Plan von Freiburgs Trainer Christian Streich war damit voll aufgegangen: Er hatte Kruse vom Mittelfeld in den Sturm verschoben – zumindest auf dem Papier, denn das Freiburger Spiel profitierte zu dieser Zeit vor allem von seiner hohen Flexibilität. Und Max Kruse hatte es ganz nebenbei endlich geschafft, mit seinen Leistungen von sich Reden zu machen. Ohne Rap-Videos, Sprüche und Selbstüberschätzung, dafür mit Disziplin, Hingabe und harter Arbeit.

Dank einer Ausstiegsklausel nach Gladbach

All das führte dazu, dass andere Klubs an den Diensten von Max Kruse Interesse bekundeten. Am Ende machte Borussia Mönchengladbach das Rennen um den schnellen, dribbelstarken und vielseitig einsetzbaren Kruse.

Bei den Fohlen unterschrieb der 25-Jährige einen Vierjahresvertrag. Für den Wechsel machte Kruse Gebrauch von einer Ausstiegsklausel, die er sich vor seinem Engagement im Breisgau in den Vertrag hatte schreiben lassen. Der SC Freiburg erhielt 2,5 Millionen Euro.

Kruse begründete den Wechsel damit, bei der Borussia den „nächsten Schritt gehen zu wollen.“ Frei von Überheblichkeit verabschiedete er sich via Facebook von den Fans des SC Freiburg mit der Aussicht, sich jetzt in Gladbach durchbeißen zu wollen. Er hat es geschafft.

Kruse ist zweitbester Gladbacher hinter Raffael

Borussia Mönchengladbach überwintert auf Platz drei der Bundesliga-Tabelle. Max Kruse ist an diesem Erfolg maßgeblich beteiligt, auf sein Konto gehen bisher acht Tore und sieben Torvorlagen, dazu gerade mal eine Gelbe Karte.

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Bei Comunio hat Kruse bislang schon satte 112 Punkte gesammelt, in der Vorsaison mit dem SC Freiburg waren es am Ende insgesamt 165 gewesen. Auffällig ist, dass Kruse fast immer punktet – nur zweimal ging er leer aus, Minuspunkte gab es bei ihm bislang nicht.

Im Kader von Borussia Mönchengladbach ist Kruse damit der zweitstärkste Spieler hinter Raffael, der acht Punkte mehr auf dem Konto hat. In der Punkte-pro-Spiel-Tabelle der Stürmer steht Kruse mit 6,59 Punkten auf Platz drei hinter Sidney Sam (7,42) und Teamkollege Raffael (7,06). Sein Marktwerkt beträgt 11,6 Millionen Euro.

Nationalmannschaft? „Halte den Ball lieber flach“

Im Sommer 2013 debütierte Max Kruse in der Nationalmannschaft, ein „Kindheitstraum“, wie er sagte. Bei der unsäglichen 3:4-Niederlage gegen die USA gelang Kruse sein erstes Tor für das DFB-Team. In der WM-Quali setzte Bundestrainer Jogi Löw Max Kruse gegen Färöer, Irland und Schweden ein.

Kruses Ziel dürfte es nun sein, zum deutschen Kader zu gehören, der im kommenden Sommer bei der Weltmeisterschaft in Brasilien an den Start geht. Mit der Verletzung von Mario Gomez ist möglicherweise eine Planstelle im Sturm frei – je nach dem, wie schnell sich Gomez jetzt erholt.

Zum Thema Nationalmannschaft und WM 2014 sagte Kruse der Zeitung „Die Welt“: „Es ist immer noch Luft nach oben. Aber wenn du große Dinge ankündigst, kannst du auch tief fallen. Zu spekulieren ist nicht meine Art, ich halte den Ball lieber flach.“ Auch das gehört schließlich zum neuen Max Kruse. Dem Typen, der sich geändert hat.

Autor: Marcus Erberich

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