WM 2018 ist, wenn sich die anderen freuen.

Foto: © imago / Kyodo News
Wer hätte vor der Weltmeisterschaft gedacht, dass sich die Gruppe F als echte Todesgruppe erweisen würde? Außerhalb Schwedens und Südkoreas wohl niemand. Ob Lothar Matthäus für den Neuaufbau bereit steht?

Die guten Nachrichten zuerst: Mexiko und Schweden durften sich gestern über das Weiterkommen freuen, die biederen Südkoreaner über den größten Sieg ihrer jüngeren Weltmeisterschaftsgeschichte nach der Halbfinalniederlage 2002. Für drei Mannschaften der Gruppe F war der 27.6.2018 ein guter Tag. Immerhin.

Auch gut: So sympathisch sich die deutsche Mannschaft während und nach dem großen 7:1-Triumph gegen den seinerzeitigen Gastgeber Brasilien verhalten hat, so fair hat man sich gestern aus dem Turnier verabschiedet. Schonungslose Selbstkritik war zu hören, dafür kein Wort über den schwächelnden Nebenmann, die heimische Presse, den Schiedsrichter oder die Mücken. Bei aller Enttäuschung haben sich Spieler und Trainer als geschockte, aber gute Verlierer erwiesen, mit Respekt vor dem Spiel und dem Gegner. Das war erfrischend positiv, wenn man unbedingt etwas Positives aus dem gestrigen Nachmittag mitnehmen möchte.

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Und sonst? Die deutsche Nationalmannschaft hat ihr schlechtestes Turnier seit der desaströsen Europameisterschaft 2004 gespielt, als man in einer Gruppe mit den Niederlanden, Tschechien und Lettland ausschied. In den nächsten Tagen wird die große Analyse beginnen und die einen werden über die Rolle des ehemaligen Raumdeuters reden, über Sané, über taktische und personelle Fehler Löws oder die offensichtlichen Schwierigkeiten innerhalb des Kaders. Andere werden lieber über Erdogan sprechen, müde Millionäre, Hymnenverweigerung oder warum der hängeschultrige Özil kurz vor Schluss so unwillig vier Meter vor dem Tor dem einköpfbereiten Hummels die Schulter anflankte. Und viele werden dabei vergessen: Es ist nur ein Spiel und wenn im Sport einer – oder drei – gewinnen, muss mindestens einer verlieren. Der Sport gehört niemandem und wer 2014 ununterbrochen das „Wir“ feierte, darf jetzt nicht einfach aufs „Die“ umsteigen.

Berechenbarkeit olé: Etwas Gutes hat das Ausscheiden ja für alle Comunio-Manager, die sich einen oder mehrere Nationalspieler im Kader halten: Eure Jungs steigen deutlich früher in die Vorbereitung ein, als geplant. Das bedeutet Planungssicherheit und nicht das traditionelle Leistungs-Wirrwarr zu Saisonbeginn der Topspieler nach einem Großturnier. Der Küchenpsychologe sagt: Ganz sicher wollen die Gebeutelten die WM-Erinnerungen möglichst schnell abschütteln und in der Bundesliga vom Start weg ordentlich Gas geben.

Das gilt aber natürlich nur für deutsche Nationalspieler, denn zahlreiche Bundesligaprofis haben sich gestern die Verlängerung der Weltmeisterschaft erspielt. Für Yann Sommer, Gelson Fernandes, Roman Bürki, Nico Elvedi, Breel Embolo, Manuel Akanji, Denis Zakaria, Josip Drmic und den in Mönchengladbach gehandelten Michael Lang geht das Turnier mit der Schweiz weiter, Carlos Salcedo und Marco Fabian dürfen mit ihren Mexikanern jetzt gegen Brasilien ran und Emil Forsberg muss sich der Schweizer Bundesliga-Übermacht stellen. 

Für die Statistik: 24 Elfmeter in 44 Spielen, das ist mehr als einer in jedem zweiten Spiel. Die Südkoreaner haben übrigens in jedem der ersten beiden Gruppenspiele einen Strafstoß verursacht. Ausgerechnet gegen die deutsche Mannschaft stellten sich die Asiaten geschickter an.

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Autor: Till Erdenberger

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