Viele Neuerungen geben dem Fußball schon jetzt ein neues Gesicht: Ist das gut oder schlecht? Was könnte sich in den nächsten Jahren noch ändern? Eine kleine Übersicht von Comunioblog. 

In gewisser Hinsicht stellt das Jahr 2014 einen Meilenstein in der Fußball-Geschichte dar. Nach einer nicht nur gefühlten Ewigkeit wurde beim größten Turnier der Sportart mit der Torlinientechnologie erstmals ein technisches Hilfsmittel verwandt. Im Zusammenspiel mit dem Freistoßspray gab es in Vergangenheit eigentlich keine tiefgreifenderen Veränderungen.

Doch wie geht es in Zukunft weiter? Reichen die Hilfsmittel aus oder sollten die Verantwortlichen noch weitere integrieren? Comunioblog wirft einen Blick in die Glaskugel.

Torlinientechnologie: Das kamerabasierte System „GoalControl“ war eine der positiven Überraschungen der Weltmeisterschaft in Brasilien – und hat nochmals vielen Funktionären die Augen geöffnet, wie schnell, angenehm und fast unsichtbar eine Technologie während einer Partie genutzt werden kann. Zudem wird die elementarste Frage des Spiels, nämlich Tor oder nicht Tor, unmittelbar beantwortet und erspart unsägliche Diskussionen.

Doch trotz der durchweg guten Erfahrungen gelang es der Deutschen Fußball-Liga noch nicht, sich gemeinsam mit den Vereinen auf eine Einführung zu einigen. Noch im März verpassten Befürworter der Technik auf der Mitgliederversammlung der Liga die benötigte Zweidrittelmehrheit.

Allerdings setzte durch das zu Unrecht nicht gegebene Tor Dortmunds im DFB-Pokal-Endspiel ein Umdenken ein. Die DFL schrieb offiziell den Betrieb einer solchen Technologie zum 1. Juli 2015 in der ersten Liga aus. Schon im Dezember diesen Jahres stimmen die 18 Klubs über das System ab.

In Anbetracht der erneuten Antragstellung dürfte einer Einführung nichts mehr im Wege stehen und die Gerechtigkeit innerhalb des Oberhauses erhöhen. Es wäre der richtige Schritt.

Videobeweis: Wenn über eine Torlinientechnik gesprochen wird, ist der Videobeweis nicht weit. Doch im Gegensatz zum System zur Beantwortung der elementarsten Frage des Fußballs würde ein Videobeweis tiefgreifender in den Charakter des Spiels eingreifen.

Zuerst stellt sich die Frage nach der Benutzung: Es würde das Spiel zerstören, jede noch so kleine Entscheidung per Video auf ihre Richtigkeit zu überprüfen, zumal bei einigen Situationen selbst unzählige Wiederholungen keine endgültige Antwort geben können.

Denkbar wäre eine begrenzte Zahl eines Vetos, das ein Trainer bei strittigen Situationen einsetzen könnte. Vielleicht eine Unterbrechung pro Halbzeit? Mir stellt sich allerdings die Frage, wie das dann umsetzbar wäre.

Ein Beispiel: Marco Reus schickt im Champions-League-Endspiel Ciro Immobile steil, der knapp nicht im Abseits steht, vom Schiedsrichter allerdings zurück gepfiffen wird. Jürgen Klopp nutzt sein Veto-Recht und will die Situation durch TV-Bilder auf Korrektheit überprüfen lassen und bekommt Recht: Wie ginge es dann weiter?

Stellen sich alle Spieler wie vorher hin und der Spielzug wird nochmals choreographiert? Das ist schlicht nicht möglich. Auch hätte eine Kompensation in Form eines Freistoßes oder Ballbesitzes keine Verhältnismäßigkeit zur verpassten, hochkarätigen Torchance.

Ähnlich verhält es sich beim Strafstoß: Ein Spieler wird im Strafraum regelwidrig gefoult, der Schiedsrichter lässt aber weiterlaufen. Wie käme dann das Veto des Trainers zustande? Bei der nächsten Unterbrechung? In diesem Fall könnte die Partie zwischen dem fälschlicherweise ausbleibenden Pfiff und Unterbrechung eine Wendung nehmen – wie zum Beispiel ein erfolgreich abgeschlossener Konter der in diesem Fall bevorzugten Mannschaft.

Überhaupt würde sich der Aufgabenbereich des Trainers bei einer solchen Einführung erheblich verändern. Das Coaching stünde nicht mehr im Mittelpunkt, sondern die ständige Abwägung, ob eine Entscheidung per Veto zu beanstanden ist oder nicht.

Eine weitere Möglichkeit wäre, einen Oberschiedsrichter zu installieren, der ständig alle Perspektiven aufrufen könnte – allerdings stellt sich mir hier auch die Frage der Umsetzung. Würde das Spiel per Lautsprecher abgepfiffen? In welchen Situationen griffe dieser ein? Immer? Nur ausgewählt?

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Belastungssteuerung: Gerade in den Wochen nach der Weltmeisterschaft ist die Diskussion ob der hohen Belastung der Spieler voll in Mode. Ist sie richtig oder dient sie für viele lediglich als Alibi, hinter dem es sich für eine Zeit gemütlich gemacht werden kann?

Als gutes Beispiel dient der FC Bayern und die beiden letzten WM-Titel der deutschen Nationalmannschaft: In der Spielzeit 1989/90 wurden die Münchner wie auch in diesem Jahr deutscher Meister und erreichten das Halbfinale des Europapokals. Ebenfalls gab es das Finale im Supercup gegen Borussia Dortmund – einziger Unterschied ist das Ausscheiden im Achtelfinale des DFB-Pokals Ende 1989.

Zusammen mit den sieben Partien bei der Weltmeisterschaft in Italien kamen Augenthaler und Co. auf eine Anzahl von 53 Partien in der Spielzeit. Im ersten Jahr unter Guardiola hingegen mussten die Münchner samt WM 63-mal auf den Platz. Hinzu kommen Freundschafts – und Qualifikationsspiele des DFB, die im Laufe der Zeit angestiegen sind.

In der Länderspielsaison 89/90 gab es sieben Partien – in Spielzeit 13/14 waren es hingegen elf Spiele (alles ohne WM). Zusammengerechnet hat ein heutiger deutscher Nationalspieler, der bei einem Top-Klub unter Vertrag steht und in ein Jahr mit einem großen Turnier geht, also rund 14 Partien mehr zu absolvieren als noch vor 24 Jahren.

Hinzu kommt, dass auch das Spiel an sich eine Metamorphose durchlaufen und im letzten Vierteljahrhundert deutlich an Tempo zugenommen hat.

„Ich bin der Meinung, dass die Belastung deutlich zu hoch ist. Gerade für Nationalspieler, die auch mit ihren Vereinen international spielen“, erklärte Toni Kroos der „Welt am Sonntag“. „Es ist kein Zufall, dass sich in den vergangenen zwei Monaten so viele Spieler verletzt haben. Und wir reden nicht von Zerrungen, sondern von schweren Verletzungen – von Muskelrissen“.

Doch wie könnte die Lösung aussehen? Die Verbände machen jedenfalls nicht den Anschein, sich um die hohe Belastung zu scheren. Die EM findet ab 2016 mit 24 Teams statt, zudem kommt ab 2018 die Nations League der UEFA. Auch die FIFA wird kaum davon abrücken, Turniere wie den Confederations Cup oder die Klub-WM abzusagen oder abzuspecken.

Aber mal in den Raum geworfen: Wie wäre es mit einer Verkleinerung der Champions League, in der wirklich nur die besten Teams Europas antreten? Damit könnte der Spielplan entschlackt und die Europa League durch mehr namhafte Teams deutlich aufgewertet werden – natürlich nur, wenn auch sie etwas kleiner daherkommt.

Es scheint allerdings utopisch, dass die UEFA das eigene Premiumprodukt Königsklasse nur für die Spieler verkleinert, zumal Michel Platini vor allem aufgrund seiner Zusprüche gegenüber kleiner Nationen überhaupt Präsident des europäischen Verbandes geworden ist.

Wahrscheinlich müssen sich die Teams selber anpassen und die Kader vergrößern, um Verletzungen zu vermeiden und eine gute Belastungssteuerung zu erreichen. Trainer der Nationalmannschaften könnten Länderspiele dazu nutzen, um den Nachwuchs zu testen und den Etablierten eine Verschnaufpause zu gönnen.

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Autor: Sebastian Schramm

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