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Rainer Zobel gewann als Spieler mit Bayern München dreimal den Landesmeister-Cup, danach trainierte er unter anderem den 1. FC Kaiserslautern und den Club aus Nürnberg. Dann zog es hinaus in die weite Welt mit Trainerstationen in Ägypten, Südafrika, Moldawien, Georgien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran. Im Interview mit Comunioblog spricht der 69-Jährige über die ägyptische Mentalität und erklärt, warum nicht mehr Talente den Sprung schaffen. Außerdem will er von einem internationalen Scheitern der Bayern nichts wissen.
Comunioblog: Die ägyptische Nationalmannschaft hat sich erstmals seit 1990 wieder für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. In Gruppe A geht es gegen Russland, Uruguay und Saudi-Arabien. Halten Sie ein Weiterkommen für möglich?
Zobel: Das kommt auf das erste Spiel an. Wenn sie gegen Uruguay mindestens einen Punkt holen, halte ich das für möglich.
Comunioblog: Welchen ägyptischen Spieler sollte man neben Salah unbedingt auf dem Zettel haben?
Zobel: Da gibt es eigentlich keinen anderen. Natürlich gibt es andere Spieler, die im Ausland spielen, aber niemanden der an Salah herankommt. Die anderen sind auf einem ähnlichen Niveau. Sie haben aber manchmal diese „In schā‘ Allāh“-Mentalität. Sie spielen meistens sehr defensiv, aber wenn sie sich dann ein Tor fangen, kommen sie selten zurück. Dann heißt es: „In schā‘ Allāh, so Gott will.“
Comunioblog: Bei der WM ist es auffällig, dass außer Algerien alle bedeutenden nordafrikanischen Fußballnationen vertreten sind. Haben die Nordafrikaner aktuell die Nase vorn vor dem Rest des Kontinents, oder ist das nur Zufall?
Zobel: Zufall ist das nicht. Das ist ja schon häufiger so gewesen. Dann kamen aber die politischen Unruhen im Zuge des arabischen Frühlings. Davor war es aber schon häufiger mal so, dass die Nordafrikaner gut vertreten waren. Wir erinnern uns ja alle auch noch an die starken Algerier im Spiel gegen Deutschland. Dazu kommen dann häufig die Westafrikaner mit Nigeria, Ghana, dem Senegal, und der Elfenbeinküste. Aber eigentlich gehörten die Nordafrikaner immer dazu.
Comunioblog: Kommen wir noch kurz auf die Bayern zu sprechen. Sie sind erneut im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid ausgeschieden. Warum reicht es aktuell nicht für den ganz großen Wurf?
Zobel: Das hätte eigentlich reichen können. Eigentlich hätte das Endspiel Bayern gegen AS Rom heißen müssen. Die Römer haben es schon ganz gut gemacht und eine starke Aufholjagd hingelegt. Und die Bayern waren in beiden Spielen die bestimmende und auch bessere Mannschaft, haben sich aber zwei individuelle Fehler geleistet, die entscheidend waren. Jetzt sagen sicher einige, dass Real eben die Tore gemacht hat und abgezockter ist. Das sehe ich nicht so. Wenn die beiden Fehler nicht passieren, kommen die Bayern klar weiter.
































