Rainer Zobel (l.) im Gespräch mit Paul Breitner

Foto: © imago /Ulmer
Rainer Zobel gewann als Spieler mit Bayern München dreimal den Landesmeister-Cup, danach trainierte er unter anderem den 1. FC Kaiserslautern und den Club aus Nürnberg. Dann zog es hinaus in die weite Welt mit Trainerstationen in Ägypten, Südafrika, Moldawien, Georgien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran. Im Interview mit Comunioblog spricht der 69-Jährige über die ägyptische Mentalität und erklärt, warum nicht mehr Talente den Sprung schaffen. Außerdem will er von einem internationalen Scheitern der Bayern nichts wissen. 

Comunioblog: Die ägyptische Nationalmannschaft hat sich erstmals seit 1990 wieder für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. In Gruppe A geht es gegen Russland, Uruguay und Saudi-Arabien. Halten Sie ein Weiterkommen für möglich?

Zobel: Das kommt auf das erste Spiel an. Wenn sie gegen Uruguay mindestens einen Punkt holen, halte ich das für möglich.

Comunioblog: Welchen ägyptischen Spieler sollte man neben Salah unbedingt auf dem Zettel haben?

Zobel: Da gibt es eigentlich keinen anderen. Natürlich gibt es andere Spieler, die im Ausland spielen, aber niemanden der an Salah herankommt. Die anderen sind auf einem ähnlichen Niveau. Sie haben aber manchmal diese „In schā‘ Allāh“-Mentalität. Sie spielen meistens sehr defensiv, aber wenn sie sich dann ein Tor fangen, kommen sie selten zurück. Dann heißt es: „In schā‘ Allāh, so Gott will.“

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Comunioblog: Bei der WM ist es auffällig, dass außer Algerien alle bedeutenden nordafrikanischen Fußballnationen vertreten sind. Haben die Nordafrikaner aktuell die Nase vorn vor dem Rest des Kontinents, oder ist das nur Zufall?

Zobel: Zufall ist das nicht. Das ist ja schon häufiger so gewesen. Dann kamen aber die politischen Unruhen im Zuge des arabischen Frühlings. Davor war es aber schon häufiger mal so, dass die Nordafrikaner gut vertreten waren. Wir erinnern uns ja alle auch noch an die starken Algerier im Spiel gegen Deutschland. Dazu kommen dann häufig die Westafrikaner mit Nigeria, Ghana, dem Senegal, und der Elfenbeinküste. Aber eigentlich gehörten die Nordafrikaner immer dazu.

Comunioblog: Kommen wir noch kurz auf die Bayern zu sprechen. Sie sind erneut im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid ausgeschieden. Warum reicht es aktuell nicht für den ganz großen Wurf?

Zobel: Das hätte eigentlich reichen können. Eigentlich hätte das Endspiel Bayern gegen AS Rom heißen müssen. Die Römer haben es schon ganz gut gemacht und eine starke Aufholjagd hingelegt. Und die Bayern waren in beiden Spielen die bestimmende und auch bessere Mannschaft, haben sich aber zwei individuelle Fehler geleistet, die entscheidend waren. Jetzt sagen sicher einige, dass Real eben die Tore gemacht hat und abgezockter ist. Das sehe ich nicht so. Wenn die beiden Fehler nicht passieren, kommen die Bayern klar weiter.

Der vorläufige deutsche WM-Kader

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Manuel Neuer (74 Länderspiele, 0 Tore), Bayern München

 

Comunioblog: Jetzt kann man auch argumentieren, dass Real der erste Prüfstein war, den Bayern in dieser Saison hatte und sie gleich gescheitert sind. Fehlt die nationale Konkurrenz?

Zobel: Die Bayern sind ja nicht gescheitert. Sie hatten Pech. Scheitern sieht anders aus. Für mich waren sie fußballerisch mindestens auf Augenhöhe mit Real, eher einen Tick besser. Sicherlich ist Fußball ein Ergebnissport, aber wenn man das genauer analysiert, kann man das nicht als Scheitern bezeichnen.

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Comunioblog: Dennoch ist es aktuell so, dass die nationale Konkurrenz fehlt. Wie lange kann die Bundesliga die Dominanz der Bayern verkraften?

Zobel: Wenn wir nach Spanien gucken, gibt es dort auch nur drei Mannschaften, die seit 30 Jahren die Meisterschaft unter sich ausmachen. Aber natürlich müssten ein oder zwei Mannschaften in der Bundesliga den Anschluss schaffen, damit es wieder spannender wird. Auf der anderen Seite ist es so, dass die Bundesliga eine gute Liga ist. Sie ist vielleicht nicht in der Weltspitze, aber dennoch eine gute Liga. Es liegt aber nicht an den Bayern. Die anderen Mannschaften wie Dortmund, Schalke, Leverkusen oder auch Leipzig, die wohl als erstes in der Lage wären, eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzubauen, müssen wieder herankommen.

Comunioblog: Glauben Sie, dass Dortmund in der nächsten Saison wieder angreifen kann?

Zobel: Das hängt natürlich davon ab, wen sie personell verlieren und hinzubekommen. Meiner Meinung nach brauchen sie zwei schnellere Innenverteidiger, dann hätten sie eine Chance. Nach vorne spielen sie gar nicht schlecht. RB Leipzig hat noch eine junge Mannschaft, die aber durch die internationalen Spiele jetzt gereift ist. Denen traue ich das auch zu.

Seite 1: Zobel über Ausnahmetalent Mohamed Salah, die ägyptische Mentalität und die schlechte Talenteförderung

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Autor: Marc-Oliver Robbers

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