Foto: © imago images / Jan Huebner
Der Norweger könnte zu einem der teuersten Frankfurter Transfers werden. Dabei hat er zuletzt nur sehr wenig gespielt. Comunio-Manager müssen tief in die Taschen greifen. Lohnt sich das?

Position

Jens Petter Hauge ist ein polyvalenter Offensivspieler. Bevorzugt trat er bisher als Linksaußen auf, sowohl als Außenstürmer als auch auf der Schiene im Mittelfeld. Hauge kann aber auch als Mittel- und Halbstürmer agieren und spielte schon auf der Zehn. Weil er ein Rechtsfuß ist, kommt ebenso ein Einsatz auf diversen Positionen auf der rechten Flanke in Frage. Bei seinem Bundesliga-Debüt gegen Dortmund wurde er auf der halbrechten Zehnerposition eingesetzt.

Sportdirektor Markus Krösche, der Hauge schon zu Leipziger Zeiten auf dem Schirm hatte, sagt: „Unser Ziel ist es, den Kader so auszurichten, dass wir noch mehr Variabilität haben und weniger berechenbar sind. Neben eines hohen Tempos verfügt Jens Petter über Fähigkeiten, offensive Eins-gegen-eins-Situationen zu lösen und so aus allen offensiven Positionen Torgefahr auszustrahlen.“

Bisherige Karriere

Mit der Tür ins Haus kam Hauge in den Profifußball: Schon mit 16 Jahren debütierte er für seinen Heimatklub FK Bodo/Glimt in der norwegischen Eliteserien und erzielte gleich bei seinem Pflichtspieldebüt im Pokal einen Hattrick. Danach ging es aber erst einmal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, Hauge kam auf wenig Spielzeit und ließ sich zu Aalesunds FK verleihen, wo er bisweilen nur in der vierten Liga in der Reserve spielte. 

Dafür kam er aber umso eindrucksvoller zurück: In der Saison 2019 war er in 18 Einsätzen an 24 Toren (14 Treffer, 10 Vorlagen) direkt beteiligt und schoss sein Team als 19-Jähriger Linksaußen zur norwegischen Meisterschaft. Nach einem starken Spiel in der Europa League gegen den AC Mailand vor knapp einem Jahr, wo er ein Tor und einen Assist lieferte, schlug Milan zu und nahm ihn für rund fünf Millionen Euro direkt mit in die Serie A.

Hier konnte sich Hauge aber nicht behaupten. 18 Liga-Einsätze, meist als Joker, standen am Ende nach einem Jahr zu buche. Oft schmorte er auch 90 Minuten auf der Bank. In 24 Pflichtspielen für Milan erzielte Hauge aber immerhin fünf Tore. 

Der Kumpel von Erling Haaland hat rund 50 Mal für norwegische U-Nationalmannschaften gespielt und ist mittlerweile auch Teil der A-Elf Norwegens, für die er drei Einsätze verbuchen kann. Imposant is aber vor allem seine Bilanz in der Europa League: Hier kommt Hauge in acht Einsätzen auf neun direkte Torbeteiligungen (sechs Tore, drei Assists).

Einstiegsmarktwert

Acht Millionen sind schon richtig happig für einen Spieler, der zuletzt kaum gespielt hat und dessen Karriere bisher wie eine Achterbahn verlief. Wer Hauge zu Beginn für diesen Preis bekam, kann sich inzwischen über Zinsen von mehr als vier Millionen freuen. Hauge bewegt sich damit vom Marktwert auf einem Niveau mit Stindl, Kruse, Schick und Sane.

Situation

Hauge war schwer umworben. Gerade in der Bundesliga buhlten Klubs wie Leverkusen, Leipzig oder Wolfsburg um die Dienste des Norwegers. Der Schritt in eine europäische Top-Liga hat er bisher aber noch nicht geschafft, deshalb braucht es noch ein wenig Eingewöhnungszeit, vor allem im taktischen Bereich. 

Als Linksaußen – so viel steht fest – wird sich Hauge bei der Eintracht aber nicht durchsetzen können. Es sein denn, Platzhirsch Filip Kostic wechselt doch noch oder verletzt sich. Viel wahrscheinlicher ist es, dass Hauge auf der rechten Außenbahn zum Einsatz kommt. Dort wurde bei Frankfurt mit da Costa, Durm, Chandler und Co. viel herumexperimentiert. Wirklich überzeugen konnte dauerhaft jedoch keiner. Hauge könnte also den Gegenpart zu Kostic bilden, sofern er auch den Ansprüchen gegen den Ball gerecht wird.

Möglich ist aber auch ein Einsatz auf einer der beiden Zehner-Positionen. Kamada und Barkok sowie der ebenfalls vielversprechende Neuzugang Jesper Lindström wären hier die Konkurrenten. Amin Younes scheint nach seinem Wechselwunsch etwas in Ungnade gefallen zu sein. Gegen Dortmund kam er eben in dieser Position zu Halbzeit gemeinsam mit Lindström für die wirkungslosen Kamada und Barkok in die Partie. Da war das Spiel aber ohnehin schon nahezu verloren. Dass sich Hauge aber gleich mit einem Tor beim Debüt eingeführt hat, dürfte seine Aktien noch einmal verbessern.

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Marktwertpotenzial

Hauge ist aktuell trotz seines Debüts mit Tor unter keinen Umständen zu empfehlen. Zu groß wird der Marktwertverlust in den kommenden Wochen sein. Bei einem perfekten Verlauf wird sich Hauge bei 5 bis 8 Millionen einpendeln können, viel wahrscheinlicher ist es aber, dass es zunächst noch weiter abwärts geht.

Grundsätzlich gibt es hier aber einen Spieler, der alleine wegen seiner Scorer für enorm viele Punkte gut sein dürfte. Die sieben Punkte beim Debüt, wo Frankfurt praktisch alles falsch gemacht hat, waren schon einmal eine Ansage. Die Bundesliga und speziell die Eintracht, die vermehrt auf Top-Talente setzt, bieten zumindest beste Voraussetzungen, dass diese vielversprechend Karriere wieder richtig in Schwung kommt.

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Autor: Karol Herrmann

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