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Schalke 04 ist eine der positiven Überraschungen der Saison. Das hat mit dem neuen Trainer, aber auch dem einen oder anderen eigentlich schon abgeschriebenen Heidel-Transfer zu tun. Retten die Königsblauen den Schwung über die Pause?
Kaderwert: 86.600.000
Kaderpunkte: 682
Comunio-Platzierung: 8.
Bester Spieler: Amine Harit (81 Punkte)
Die Situation
Bitte mal Hände hoch, wer den FC Schalke 04 vor der Saison für Ausflüge in höhere Sphären auf dem Zettel hatte. Und jetzt: Bitte Hände hoch, wer Amine Harit als einen der Comunio-Überflieger der Hinrunde vermutet hätte? Na also: In Gelsenkirchen hat sich an den ersten 17 Spieltagen der Saison 2019/20 Überraschendes abgespielt, zumal nach der katastropalen Vorsaison. Da ging es drunter und drüber, diverse Trainer mussten ran, um am Ende einen wackligen Klassenerhalt zustande zu bringen. Sportchef Christian Heidel musste gehen, vorher war schon „sein“ Trainer Domenico Tedesco geflogen. Da sind die 30 Punkte und aktuell Platz fünf Balsam für die Schalker Seele.
„Die Mannschaft hat in allen Spielen genau das gezeigt, was wir verlangt haben: Dass sie aktiv spielt, Bock auf Zweikämpfe hat, sich reinhaut und bei Ballgewinn schnell umschaltet“, sagte Sportvorstand Jochen Schneider: „Das ist überragend.“ Sichtbar einen Schritt nach vorne haben vor allem die jungen Mittelfeldspieler Suat Serdar und Amine Harit gemacht, die der neue Trainer David Wagner effektiv in seinem 4-3-1-2 agieren lässt. Wagner lässt, ähnlich wie sein Trauzeuge Jürgen Klopp, gerne hoch angreifen – und vor allem der gierige Serdar bedeutet so für viele Gegner eine Menge Stress.
Besonders bemerkenswert ist die starke Schalker Ausbeute, wenn man einen Blick auf die personellen Probleme während der Hinrunde wirft: Die etatmäßigen Innenverteidiger Salif Sané und Matija Nastasic fielen jeweils lange aus, nur Neuzugang Ozan Kabak kam glimpflich über die Hinrunde. Dahinter bedeutete der Wechselwirbel um Alexander Nübel, der sich per Brutalo-Tritt frühzeitig in die Winterpause verabschiedete, eine Menge schlechte Stimmung rund um die Arena. Und vorne schleppt man mit Guido Burgstaller einen fleißigen, aber gnadenlos glücklosen Stürmer durch die Saison.
Und doch: Irgendwer springt immer in die Bresche und das ist die Schalker Stärke. Neben Harit überzeugt offensiv vor allem der Neuzugang Benito Raman, und Nübel-Ersatz Markus Schubert spielte so stark, dass vielen Schalker Anhängern ganz wohl bei einem Gedanken wird: Dass sich der künftige Bayern-Bankdrücker Nübel für den Rest der Saison schon einmal auf der Schalker Tribüne warmsitzen kann.
Die größte Überraschung dürfte in der Wagner-Truppe aber Omar Mascarell sein. Der neue Trainer hatte den ehemaligen Frankfurter nach einer völlig verkorksten Vorsaison völlig überraschend zum Vize-Kapitän – und statt wie kolportiert nach Bremen abzuwandern, zahlt der Spanier in der Defensivzentrale zurück: Mit starken Pass- und Zweikampfwerten und einer Präsenz, die ihn zu den effektivsten Strategen der Liga auf seiner Position macht. Die Bälle, die der 26-Jährige erobert, werden in der Regel schnell für Gegenangriffe eingesetzt. Heidel war für den Mascarell-Transfer einst verspottet worden, heute wirken die acht Millionen Ablöse, die der ehemalige Schalke-Lenker an Real Madrid überweisen ließ, beinahe lächerlich.
„Ich werde den Teufel tun und uns ein Limit setzen. Die Hinrunde hat uns Hunger auf mehr gemacht. Wir wollen gierig bleiben und nicht zufrieden sein. Wenn wir uns weiterentwickelt, dann gebe ich uns kein Limit“, sagte Wagner den „Ruhr Nachrichten“ in einer Rückschau auf die Hinserie. Träumen ist auf Schalke also weiterhin erlaubt.































