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Der VfB Stuttgart ist dank Sven Mislintat für äußerst kreative Lösungen auf dem Transfermarkt berüchtigt. Ob das auch für den Stürmer Alou Kuol zutrifft?

Position

Alou Kuol ist ein Stürmer, der in der vergangenen Saison meist in einer Doppelspitze agiert hat. Der Rechtsfuß kann aber auch als Rechtsaußen spielen. Kuol ist für sein Alter schon relativ abgebrüht vor dem Tor und zeigt sich trotz seiner eher durchschnittlichen Größe von 1,80 Metern besonders kopfballstark.

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Bisherige Karriere

Der etwas schlecht gealterte Stempel „Geschichten, die nur der Fußball schreibt“, dürfte im Zusammenhang mit Kuol künftig noch öfter fallen. Der im Sudan geborene Kuol flüchtete im Alter von drei Jahren mit seiner Familie nach Australien, wo er als Jugendlicher neben dem Kicken als Aushilfskoch seine Brötchen verdiente. Mit 18 Jahren landete er beim australischen Erstligisten Central Coast Mariners, dem Meister von 2013. 

Obwohl eigentlich noch Spieler der U21 durfte er 2019/20 schon einige Minuten in der A-League reinschnuppern. 2020/21 gelang dem heute 20-Jährigen dann aber der Durchbruch. Mit sieben Toren und zwei Vorlagen in 25 Spielen, bei denen er die wenigstens von Beginn an auf dem Platz stand, hatte er großen Anteil daran, dass sein Klub die Finals erreichte. Er war in Australien ohne Zweifel einer der großen Senkrechtstarter der Liga, wo er aufgrund seiner schlagfertigen Interviews binnen kürzester Zeit bereits Kultstatus genießt.

Einstiegsmarktwert

Und jetzt wird es besonders spannend, denn Kuol wurde am unteren Marktwertende mit 160.000 eingepreist.

Situation

Die Erfolgsgeschichten von Stuttgarts Sportdirektor Mislintat, der Shinji Kagawa in der zweiten japanischen Liga entdeckte oder einen Sasa Kalajdzic von Admira Wacker Mödling zum VfB lotste, sind hinlänglich bekannt. Nun hat er also einen Spieler aus der australischen Liga an Land gezogen, die von Niveau her in etwa mit Deutschlands 3. Liga zu vergleichen ist. Ein gewaltiger Sprung, der aber dennoch machbar ist.

Vor allem, wenn man mit 20 Jahren bereits zu den Top-Torschützen zählt. Dennoch: taktisches Verständnis, Körperlichkeit, Entscheidungsfindung – all das wird sich der junge Kuol in den kommenden Monaten noch draufschaffen müssen. Doch die Verantwortlichen vom VfB waren nach den ersten Gesprächen vor allem auch vom Ehrgeiz des jungen Stürmers angetan. 

Noch ist die Konkurrenzsituation groß, aber Spieler wie Nicolas Gonzales oder Sasa Kalajdzic haben bzw. könnten den Klub noch verlassen. Dass diese vakanten Stellen dann aber mit einem Talent wie Kuol besetzt werden, ist alles andere als wahrscheinlich.

Marktwertentwicklung

Bisher hat Kuol die 500.000 schon erreicht und seinen Ausgangsmarktwert mehr als verdoppelt. Die 1-Million-Grenze dürfte aber das Maximum der Gefühle sein, denn Kuol wird es zunächst schwer haben, überhaupt im Kader zu stehen. Viel wahrscheinlicher ist ein annähern über die U21. Sein Marktwert wird spätestens kurz vor Saisonbeginn wieder auf ein Minimum sinken, sollte er sich nicht völlig überraschend in der Vorbereitung schon aufdrängen. Ein Jahr Eingewöhnungszeit muss man diesem Talent mindestens geben. Aber egal, was danach auch passiert: Er wird im schlimmsten Fall „weich fallen“. Diese Geschichte ist schon jetzt eine große Erfolgsgeschichte. 

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Autor: Karol Herrmann

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