Dänemarks Superstar: Christian Eriksen überstrahlt alles.

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Jacob Binzer, hauptberuflich Gitarrist von D-A-D, viele Jahre die populärste Band Dänemarks, spricht mit uns über „Danish Dynamite“, einen Tag im Juni ´92 und das besondere Gefühl, neben einem der größten Fußballer aller Zeiten aufzulaufen. Und natürlich über die anstehende Weltmeisterschaft.

Comunioblog: Jacob Binzer, wissen Sie noch, was Sie am 26. Juni 1992 getan haben?

Jacob Binzer: 1992 war ein Wunder und Wunder passieren nur einmal im Leben. Ich war damals tatsächlich im Stadion. Ich hatte einen Platz im Flugzeug, das die Sängerin Hanne Boel nach Göteborg brachte, die vor dem Spiel die dänische Nationalhymne sang. Wir hatten damals den selben Manager, es war pures Glück. In den Straßen Göteborgs war die Stimmung elektrisch, es war faszinierend. Es herrschte so ein positiver Vibe rund um das Team und die Fans, man konnte ihn jederzeit praktisch greifen. Alles war möglich, es war wie im Märchen. Ich kannte die meisten Menschen, mit denen ich unterwegs war, kaum, aber wir sind während des Spiels komplett ausgeflippt. Wir schrien, wir sangen, wir haben uns ständig umarmt. Wir konnten das Wunder, das sich gerade leibhaftig vor unseren Augen abspielte, einfach nicht fassen. Wir sind noch am selben Abend nach Kopenhagen zurück geflogen und überall hatten sich schon Menschen versammelt, um zu feiern. Dieses Ereignis hat eine Verbundenheit unter den Menschen geschaffen, wie noch nie zuvor, gerade weil alles so völlig überraschend kam. 

Comunioblog: Welcher Spieler im Kader für die Weltmeisterschaft 2018 könnte der nächste Michael Laudrup werden – oder wenigstens der nächste Brian Laudrup?

Binzer: Die Laudrups waren außergewöhnlich, sie sind nicht vergleichbar mit Spielern aus dem diesjährigen Team. Aber einer sticht auch aus dieser Mannschaft heraus: Christian Eriksen! Der Junge ist 26 und absolute Weltklasse. Wenn er sein aktuelles Level bei der Weltmeisterschaft zeigt, wird er spätestens nächstes Jahr bei einem internationalen Topklub spielen.

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Comunioblog: Apropos „die Laudrups“: Können Sie uns, deren sportliche Karrieren eher früh versandeten, das Gefühl beschreiben, wie es ist, als Fan neben einem Fußballer wie Michael Laudrup auflaufen zu dürfen?

Binzer: D-A-D ist in Dänemark seit inzwischen fast 30 Jahren eine wirklich große Band und deshalb habe ich das Glück, hin und wieder zu Benefizspielen mit „richtigen“ Fußballspielern eingeladen zu werden. Vor einigen Jahren durfte ich mit Brian und Michael Laudrup zusammen spielen, die zusammen mit dem ehemaligen Gladbacher Peter Nielsen vorne wirbelten. Marc Rieper, früher bei West Ham und Celtic und Claus Thomsen, der für Everton und Wolfsburg spielte, stellten die Innenverteidigung und ich lief als rechter Verteidiger auf. Ach ja, fast vergessen: Peter Schmeichel stand im Tor. (lacht)  Wenn ich also nach links schaute, sah ich Marc und Claus, beides ebenfalls ehemalige Nationalspieler, hinter mir stand Peter Schmeichel – ich spielte fast in der Nationalmannschaft meines Jahrgangs! (lacht) 

Wenn die Laudrup-Brüder oder auch Peter Nielsen am Ball waren, dann war das Fußball von einem anderen Stern, speziell natürlich bei Michael. Diese Kontrolle, dieses Gefühl, diese Balance. Unbeschreiblich. Da mal aus der Nähe zuschauen zu dürfen, war eine um so viel intensivere Erfahrung, als diese Jungs nur im Fernsehen oder von der Tribüne aus zu sehen. Das gegnerische Team bestand aus Ex-Profis und Nachwuchsspielern des FC Midtjylland. Natürlich waren die Laudrups, Schmeichel und die anderen damals alle schon nicht mehr aktiv, aber sie nahmen das Spiel sehr ernst und wollten unbedingt gewinnen. Und wir haben tatsächlich 5:3 gewonnen und ich kann mit Stolz sagen: Ich habe es nicht verbockt – Gott sei Dank. (lacht) Der unbestrittene Höhepunkt meiner Fußball-Laufbahn!

Jacob Binzer (im Bild links) ist seit 1984 Gitarrist von D-A-D, viele Jahre die populärste Rockband Dänemarks. Die Alben der Band sammeln Edelmetallauszeichnungen ein und landen allesamt auf Platz 1 der dänischen Albumcharts. D-A-D füllen nach wie vor die größten Arenen des Landes, ihr Hit "Sleeping My Day Away" ist auch 2018 in Rockclubs rund um die Erde im Einsatz.

Jacob Binzer (im Bild links) ist seit 1984 Gitarrist von D-A-D, viele Jahre die populärste Rockband Dänemarks. Die Alben der Band sammeln Edelmetallauszeichnungen ein und landen allesamt auf Platz 1 der dänischen Albumcharts. D-A-D füllen nach wie vor die größten Arenen des Landes, ihr Hit „Sleeping My Day Away“ ist auch 2018 in Rockclubs rund um die Erde im Einsatz.

Comunioblog: Auch wenn keine neuen Laudrups in Sicht sind: Gibt es einen Spieler aus der heimischen Superligaen, der in Russland auf sich aufmerksam machen könnte und den noch niemand auf dem Zettel hat?

Binzer: Viktor Fischer von „meinem“ FC Kopenhagen könnte ein Kandidat sein, ein starker, sehr mutiger Offensivspieler, der das Eins-gegen-Eins sucht. Der FC Kopenhagen ist sein Heimatverein, er kam in der Winterpause aus Mainz zurück, wohin er vor der Saison von Ajax Amsterdam gewechselt war. Ich befürchte, Fischer wird uns nach einer erfolgreichen WM schnell wieder verlassen.

Comunioblog: Und wer ist Ihr ganz persönlicher Lieblingsspieler im Aufgebot für Russland?

Binzer: Natürlich Christian Eriksen. Er ist mit großem Abstand der beste dänische Spieler seiner Generation. Er ist beidfüßig, hat die meisten Assists in der Premier League gesammelt, erzielt Tore, tritt gefährliche Standards – und läuft sogar noch am meisten von allen während der Matches. Ein großartiger Spieler.

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Comunioblog: Was für ein Typ ist der Nationaltrainer Åke Hareide? Er ist außerhalb Skandinaviens eher unbekannt.

Binzer: Hareide ist ein sensibler, sehr sympathischer Typ. Er hat uns durch die Qualifikation geführt – so weit, so gut. Der dänische Fußballverband kann die internationalen Toptrainer nicht bezahlen, also wird Åke es richten. (lacht)

Comunioblog: Wo liegen die Stärken seiner Mannschaft, wo gibt´s Probleme?

Binzer: Das Kollektiv ist die Stärke der dänischen Nationalmannschaft, dazu ihre große Diszipliniertheit. Und natürlich Christian Eriksen. Aber auch Kasper Schmeichel, Pione Sisto, Thomas Delaney oder Simon Kjaer können an speziellen Tagen den Unterschied machen. Die Schwachstelle ist: Wenn diese Spieler ihre Form nicht erreichen oder einen schwachen Tag erwischen, haben wir Probleme. Simple as that.

Comunioblog: Das klingt nicht nach der ganz großen Euphorie?

Binzer: Die Erwartungen in Dänemark sind nicht besonders hoch, wir haben uns bei den großen Turnieren ja in den letzten Jahren nicht besonders hervor getan. Wir hoffen aber natürlich darauf, die Gruppenphase zu überstehen. Im Achtelfinale könnte dann Argentinien warten. Und dann sehen wir mal, was passiert.

WM-Vorschau Dänemark: Vom Nachsitzer zum Durchstarter?
Delaney, Eriksen

Die Dänen waren das letzte europäische Team, das sich für Russland qualifizieren konnte. Jetzt haben sie ein Glückslos erwischt. Wir verraten, was sie draus machen. Und wer überhaupt?

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Comunioblog: Letzte Frage: Mit D-A-D haben Sie schon für die dänische Königsfamilie gespielt, ein Fußballsong fehlt allerdings noch in Ihrer Discografie. Was stellen Sie sich härter vor: Eine Rockshow für die Königin zu spielen oder ein Auftritt vor zehntausenden Fußballfans, die nur auf den Anstoß zur zweiten Halbzeit warten?

Binzer: Vielleicht ist es gar keine schlechte Idee, mal einen Fußballsong aufzunehmen. (lacht) Bisher wurden wir allerdings noch nicht gefragt, ob wir mal einen offiziellen zu irgendetwas beisteuern wollen. Man hält uns wohl für zu punkig. Wir haben tatsächlich mal auf einer Hochzeit der Königsfamilie gespielt, sie haben zumindest sehr höflich zugehört. (lacht) Für ein Fußballpublikum würde ich natürlich jederzeit gerne spielen!

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